Pharma-Kritik

Risiken der Aromatasehemmer

Etzel Gysling
pharma-kritik Jahrgang 32, Nummer 11, PK790
Redaktionsschluss: 28. Februar 2011
DOI: https://doi.org/10.37667/pk.2010.790

Im Dezember 2010 wurde am San Antonio Breast Cancer Symposium eine Meta-Analyse von Studien vorgestellt, in denen Aromatasehemmer mit Tamoxifen (Nolvadex® u.a.) verglichen worden waren.(1) Gemäss dieser Untersuchung sind Frauen, die Aromatasehemmer erhalten, stärker gefährdet, eine kardiovaskuläre Komplikation oder eine Fraktur zu erleiden. Frauen, die Tamoxifen erhalten, haben dagegen häufiger venöse Thrombosen und Endometriumkarzinome. Das Risiko, unter Aromatasehemmern einen Herzinfarkt oder eine andere kardiovaskuläre Komplikation zu erleiden, beträgt 4,2%; unter Tamoxifen ist das Risiko signifikant geringer (3,4%). Die Zahl der Frauen, die mit Aromatasehemmern (statt mit Tamoxifen) behandelt werden müssen, um bei einer eine Herz-Kreislauf-Komplikation zu verursachen, beträgt allerdings 143. In Bezug auf die Frakturen beträgt diese Zahl 34. Ob es eine Rolle spielt, wenn schon initial Aromatasehemmer verschrieben werden oder wenn erst nach initialer Tamoxifen-Verabreichung auf Aromatasehemmer gewechselt wird, kann nicht eindeutig festgestellt werden.

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Kommentar

Bei der Beurteilung des Nutzens verschiedener Behandlungsstrategien ist schliesslich ausschlaggebend, welche Therapie einem vorzeitigen Tod der Patientin am besten vorbeugt. Die grösste Vergleichsstudie zur adjuvanten Therapie mit Tamoxifen oder Aromatasehemmern (BIG-98) hatte ein komplexes Design mit sechs verschiedenen Behandlungsarmen, was einen einfachen Mortalitätsvergleich erschwert. In dieser Studie wurden nach einer medianen Beobachtungszeit von 76 Monaten zwar unter Letrozol (Femara®) weniger Todesfälle als unter Tamoxifen gefunden; der Unterschied war jedoch nicht signifikant.(2) In einer anderen grossen Studie (ATAC, mit über 3000 Teilnehmerinnen pro Gruppe) fand sich nach über 9 Jahren Beobachtungzeit kein nennenswerter Mortalitätsvorteil von Anastrozol (Arimidex®).(3) Somit ist das letzte Wort zum Nutzen der Aromatasehemmer noch nicht gesprochen. Weiterhin unklar ist auch, ob die höhere Zahl von Frakturen unter Aromatasehemmern auf einer ungünstigen Wirkung dieser Medikamente beruht und ob Tamoxifen besser abschneidet, weil es vor Frakturen schützt.

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Literatur

  1. Amir E et al. San Antonio Breast Cancer Symposium 2010; Abstract S2-7
  2. BIG 1-98 Collaborative Group. N Engl J Med 2009; 361: 766-76
  3. ATAC Trialists’ Group. Lancet Oncol2008; 9: 45-53
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Standpunkte und Meinungen

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pharma-kritik, 32/No. 11
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Risiken der Aromatasehemmer (28. Februar 2011)
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