Pharma-Kritik

Herzrhythmusstörungen unter Ginkgo

Etzel Gysling
pharma-kritik Jahrgang 42, Nummer 3, PK1114
Redaktionsschluss: 11. Oktober 2020
Nur ein Teil der in der Nebenwirkungs-Datenbank der WHO registrierten Herzrhythmusstörungen unter Ginkgo können diesem Mittel eindeutig zugeschrieben werden. Dennoch soll an diese Möglichkeit gedacht werden, da Ginkgo kein sehr überzeugendes Nutzenprofil aufweist.
Präparate mit Extrakten von Ginkgo biloba sind in der Schweiz unter verschiedenen Namen insbesondere zur Behandlung von Schwindel, Tinnitus und nachlassenden kognitiven Fähigkeiten zugelassen. In der Nebenwirkungs-Datenbank der WHO finden sich 162 Berichte zu Herzrhythmusstörungen, die unter einer Therapie mit Ginkgo aufgetreten sind. Eine Vielfalt von Symptomen wurde beobachtet (Synkopen, Vorhofflimmern, Kammerarrhythmien und anderes). Die grosse Mehrzahl der betroffenen Personen war über 45 Jahre alt; verabreicht wurden die Ginkgo-Präparate am häufigsten wegen Tinnitus, Gedächtnis- oder Kreislaufstörungen. Ausführliche Rapporte sind allerdings nur zu 25 Fällen vorhanden, mehr als die Hälfte davon aus Deutschland und aus Südkorea. Bei 20 Individuen kam ein Ginkgo-Präparat als einziges Mittel als Ursache der Störung in Betracht und bei 14 dieser Personen verschwanden die Symptome nach dem Absetzen von Ginkgo. Nur in 10 der genauer beschriebenen Fälle waren gefährliche Arrhythmien zu beobachten (ein Todesfall, fünf Fälle, bei denen eine Hospitalisation notwendig bzw. verlängert wurde). Im vorliegenden Bericht werden mögliche Fehlerquellen und Vorbehalte sehr ausführlich besprochen; die Autorinnen kommen dennoch zum Schluss, Ginkgo könnte eine mögliche Ursache von Herzrhythmusstörungen sein.

Obwohl der Nachweis eines Nutzens von Ginkgo-Präparaten auf schwachen Füssen steht, werden diese Mittel recht häufig verschrieben. Deshalb ist es gerechtfertigt, neben anderen möglichen Nebenwirkungen auch das hier beschriebene, bisher nicht gesicherte Arrhythmierisiko zu berücksichtigen. 

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