Kein Antibiotikum lieferbar?

  • Autor(en): Etzel Gysling
  • pharma-kritik-Jahrgang 44 , PK1211
    Redaktionsschluss: 5. Oktober 2022
  • Sehr viele der in der Schweiz erhältlichen Medikamente werden in Indien oder China hergestellt. Es ist keineswegs garantiert, dass die Lieferungen aus diesen Ländern immer zuverlässig möglich sein werden. Es wäre deshalb von grösster Bedeutung, dass die wichtigsten Arzneimittel jederzeit innerhalb kurzer Fristen auch in der Schweiz (oder mindestens in Europa) hergestellt werden könnten. 
Einmal mehr beklagen viele Medien im Spätsommer 2022, dass so zahlreiche Arzneimittel-Präparate von Lieferunterbrüchen betroffen seien. Gemäss aktuellen Daten auf der von der Martinelli Consulting unterhaltenen Website drug­shortage.ch sind 280 Wirkstoffe (über 500 nicht-lieferbare Produkte) von Lieferengpässen betroffen; auch die Liste des Bundesamtes für wirtschaftliche Landesversorgung nennt annähernd 100 Präparate, obwohl diese Liste nur «relevante» Medikamente berücksichtigt. Um den Bedarf zu decken, werden einzelne Mittel dem sogen. Pflichtlager entnommen, das allerdings nur Antibiotika und starke Schmerzmittel enthält und nur für wenige Wochen genügt. Man kann annehmen, dass heute wohl über drei Viertel aller Wirkstoffe in China und Indien hergestellt werden. Da die Industrie die entsprechenden Informationen als Geschäftsgeheimnis betrachtet, können wir es nicht so genau wissen. (Die deutsche Stiftung Warentest hat dazu 10 Firmen angefragt, aber praktisch keine brauchbare Information erhalten.) 

Was bedeutet dies und weshalb sollten wir uns deswegen Sorgen machen? Es ist keineswegs zu 100% garantiert, dass die Lieferungen aus Fernost immer und unter allen Umständen eintreffen werden. Katastrophen und Konflikte könnten durchaus dazu führen, dass die Schweiz monatelang ohne den Nachschub von vielen wichtigen Medikamenten bliebe. So könnte eine Situation entstehen, die eine völlig andere Dimension als die aktuell beklagten Lieferengpässe hätte: es ergäbe sich nämlich eine echte gesundheitliche Gefährdung vieler Menschen. 

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Kein Antibiotikum lieferbar? (5. Oktober 2022)
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pharma-kritik, 44/No. 3
PK1211
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