Pharma-Kritik

Antibiotika verursachen ungeplante Schwangerschaften

Etzel Gysling
pharma-kritik Jahrgang 42, Nummer 3, PK1112
Redaktionsschluss: 11. Oktober 2020
Auch Antibiotika, die keine Enzym-induzierende Wirkung haben, können die Wirksamkeit von oralen Kontrazeptiva beeinträchtigen. Wahrscheinlich durch Auswirkungen auf das Darmmikrobiom sind deshalb z.B. auch unter Amoxicillin ungeplante Schwangerschaften möglich. Während einer antibiotischen Therapie sind ergänzende kontrazeptive Massnahmen ratsam.

Ob auch Antibiotika, die den Metabolismus von oralen Kontrazeptiva nicht beeinflussen, für ungeplante Schwangerschaften verantwortlich sein können, ist nicht gesichert. In einer Analyse der Datenbank der britischen Nebenwirkungszentrale wurde deshalb nach mehr Information zu dieser Frage gesucht. Dabei wurden drei Gruppen von spontanen Berichten zu vermuteten Nebenwirkungen berücksichtigt, nämlich von (1) Antibiotika ohne Enzym-induzierende Wirkung, (2) Medikamenten mit einer bekannten Enzym-induzierenden Wirkung und (3) verschiedenen Medikamenten, die keine bekannte Auswirkung auf orale Kontrazeptiva haben (Kontrollen). In der Gruppe (1) fanden sich z.B. Amoxicillin, Ciprofloxacin, Metronidazol, Nitrofurantoin – Medikamente, die das Darm-Mikrobiom beeinträchtigen können. Die Gruppen umfassten zwischen 32'000 und 74'000 Berichte. Im Vergleich mit der Kontrollgruppe waren ungeplante Schwangerschaften in der Gruppe (2) 13-mal und in der Gruppe (1), d.h. unter Antibiotika, 7-mal häufiger. In der Gruppe mit Enzym-induzierenden Medikamenten waren auch kongenitale Missbildungen häufiger als in der Kontrollgruppe; nach Antibiotika-Verabreichung fand sich jedoch keine entsprechende Häufung. 

Diese Studie kann nicht als Nachweis, aber als ein Signal dafür gewertet werden, dass Antibiotika generell zu mehr ungeplanten Schwangerschaften führen können. Frauen, die orale Kontrazeptiva einnehmen, sollte deshalb bei jeder Verschreibung von Antibiotika geraten werden, die Kontrazeption durch weitere Massnahmen zu ergänzen.

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