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Cannabis: Risikofaktor für Depression

a -- Patton GC, Coffey C, Carlin JB et al. Cannabis use and mental health in young people: cohort study. BMJ 2002 (23. November); 325: 1195-8 [Link]
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infomed screen Jahrgang 7 (2003) , Nummer 3
Datum der Ausgabe: März 2003

Studienziele

Es gibt Hinweise auf eine Beziehung zwischen Cannabiseinnahme und Depression sowie Angsterkrankung. In dieser Studie wurde nach einer Beziehung zwischen Cannabiseinnahme bei Jugendlichen und späteren Depressionen und Angsterkrankungen gesucht.

Methoden
1992 und 1993 wurden an 44 australischen Schulen nach dem Zufall jeweils 2 Klassen für die Studie ausgewählt. Die Schülerinnen und Schüler wurden während 2 Jahren in 6monatigen Abständen und ein weiteres Mal im Alter von 21 Jahren interviewt. Dabei wurde unter anderem nach der Einnahme von Cannabis gefragt und mit einem klinischen Fragebogen nach Symptomen einer Depression oder Angsterkrankung gesucht.

Ergebnisse
1'947 Jugendliche machten bei mindestens einer Befragung mit, 82% von ihnen konnten mit 21 Jahren nochmals befragt werden. 66% der jungen Männer und 52% der jungen Frauen gaben mindestens bei einer Befragung an, Cannabis eingenommen zu haben, drei Viertel bereits als Teenager. 20% der Männer und 8% der Frauen nahmen Cannabis mindestens 1mal pro Woche und 10% bzw. 4% täglich (an mindestens 5 Tagen pro Woche) ein. Symptome einer Depression oder Angst gaben 10% der Männer und 22% der Frauen an. Nach Korrektur mit anderen Faktoren war das Risiko für solche Symptome signifikant höher bei Frauen, die täglich konsumierten, als bei der Vergleichsgruppe ohne Cannabiskonsum («Odds Ratio» 5,6). Bei den Männern und den Frauen, die Cannabis mindestens 1mal wöchentlich konsumierten, waren Symptome ebenfalls häufiger als in der Vergleichsgruppe, der Unterschied erreichte aber keine statistische Signifikanz. Eine ähnliche Assoziation mit Symptomen einer Depression oder Angststörung fand sich auch für den Cannabiskonsum in früheren Jahren. Umgekehrt konsumierten aber Jugendliche mit Symptomen einer Depression oder Angststörung später nicht mehr Cannabis als die Übrigen.

Schlussfolgerungen
Für junge Frauen lässt sich eine dosisabhängige Assoziation zwischen Cannabiskonsum und dem Auftreten von depressiven Symptomen oder Angst im jungen Erwachsenenalter belegen. Bei den jungen Männern ist die Assoziation nur als Trend erkennbar.

Vielleicht eine Nebensache: Die Geschlechtsdifferenz bleibt erklärungsbedürftig. Die Hauptsache: Der Verdacht aus allerdings wenigen, jedoch recht guten Studien erhärtet sich, dass Cannabiskonsum einen Risikofaktor für psychische Störungen des schizophrenen und im weiteren Sinne affektiven Formenkreises darstellt. Dabei ist zunächst wenig relevant, ob kausal oder manifestationsfördernd; sehr wahrscheinlich dürfte die bisweilen gerne angeführte Selbstmedikationshypothese jedoch unzutreffend sein. Auch hierzulande ist die Cannabisdebatte wieder lanciert: Zur Kenntnis zu nehmen wäre einmal mehr, dass Cannabiskonsum – vor allem auch dosisabhängig – keineswegs risikoarm ist.

Peter Zingg-Müller

 

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Cannabis: Risikofaktor für Depression (März 2003)
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