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Serotoninwiederaufnahme-Hemmer nicht teratogen

k -- Kulin NA, Pastuszak A, Sage SR et al. Pregnancy outcome following maternal use of the new selective serotonin reuptake inhibitors. JAMA 1998 (25. Februar); 279: 609-10 [Link]
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infomed screen Jahrgang 2 (1998) , Nummer 4
Datum der Ausgabe: April 1998

Studienziele
Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft selektive Serotoninwiederaufnahme-Hemmer («selective serotonin reuptake inhibitors», SSRI) der ersten Generation wie Fluoxetin (z.B. Fluctine®) einnahmen, wiesen keine Missbildungen auf, die medizinische und soziale Konsequenzen hatten. Perinatale Komplikationen und kleinere Missbildungen wurden jedoch häufiger festgestellt. In dieser Studie wurde die Teratogenität weiterer SSRI, nämlich von Fluvoxamin (Floxyfral®), Paroxetin (Deroxat®) und Sertralin (Gladem®, Zoloft®) untersucht.

Methoden
Aus neun Beratungszentren für Missbildungen in den USA und Kanada wurden 267 Frauen, welche eines der erwähnten SSRI einnahmen, in die Studie aufgenommen. Die Kontrollgruppe bildeten 267 Frauen, welche diese Zentren nach bekannterweise nichtteratogenen Interventionen (Zahnröntgenaufnahmen, Einnahme von Paracetamol) aufsuchten.
In einem ersten Interview wurde unter anderem nach Einnahmedauer und Dosis des Antidepressivums und der medizinischen Vorgeschichte gefragt. In einem zweiten Gespräch, 6 bis 9 Monate nach Geburt, wurden schwere Missbildungen, Schwangerschaftsdauer und das kindliche Gewicht ermittelt. Das Auftreten perinataler Komplikationen und geringfügiger Missbildungen wurde nicht untersucht.

Ergebnisse
In beiden Gruppen fand sich eine ähnliche Anzahl Missbildungen: 4,1% in der SSRI-Gruppe, 3,8% in der Kontrollgruppe. Die Zahl der spontanen wie der elektiven Aborte oder Totgeburten unterschied sich nicht signifikant. Das Geburtsgewicht lag im Mittel ohne wesentlichen Unterschied bei 3440 g in der SSRIGruppe respektive 3445 g in der Kontrollgruppe. Die Schwangerschaft dauerte in beiden Gruppen durchschnittlich 39 Wochen. Auf die geprüften Studienziele hatte die SSRI-Einnahme – nur während dem ersten Trimester oder der gesamten Schwangerschaft – keinen Einfluss.

Schlussfolgerungen
SSRI scheinen keine teratogene Wirkung aufzuweisen.

Mit dieser Studie rücken – zumindest die drei untersuchten – SSRI, welche in der Schwangerschaftsrisikokategorie B eingeteilt sind, in Richtung der Kategorie A. Dies kann allenfalls durch (zu relativierende) generelle Nachteile von Kohortenstudien (betr. Randomisierung bzw. nur bedingt möglicher Kontrollgruppen- Parallelisierung) etwas relativiert werden. Gleichzeitig müssen sicher auch weitere Risikobereiche miteinbezogen werden, namentlich die Verträglichkeit seitens der schwangeren Patientin selbst, wobei der Entscheid ebenfalls zu Gunsten der SSRI ausfallen dürfte. Trotzdem: «Any discussion of the effects of psychotropic drugs in pregnancy must begin by stating the limits to our knowledge.»

Peter Zingg-Müller

 

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Serotoninwiederaufnahme-Hemmer nicht teratogen (April 1998)
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