Pharma-Kritik

Drospirenon: relativ hohes Thromboserisiko

Etzel Gysling
pharma-kritik Jahrgang 33, Nummer 6, PK859
Redaktionsschluss: 19. Januar 2012
DOI: https://doi.org/10.37667/pk.2011.859
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Das Risiko einer thromboembolischen Komplikation infolge der Einnahme eines oralen Kontrazeptivums ist bekanntlich sehr klein; wir haben 2009 dazu berichtet: Während eine Frau durchschnittlich ein Basisrisiko (ohne Pille) von etwa 3 solcher Ereignisse auf 10'000 Frauenjahre hat, ist dieses Risiko unter der Pille durchschnittlich etwa doppelt so gross.(1) In einer Kohortenstudie fand sich das höchste Thromboembolie-Risiko bei Frauen, die ein Kontrazeptivum einnahmen, das Cyproteron, Desogestrel oder Drospirenon enthielt.(1)

Seither sind weitere Studien publiziert worden, die alle ebenfalls Hinweise auf ein erhöhtes Thromboembolie-Risiko unter Drospirenon (in Yasmin® u.a.) bestätigen. Es handelt sich um zwei Fall-Kontroll-Studien und eine sehr grosse Kohortenstudie. In den Fall-Kontroll-Studien (aus Grossbritannien und aus den USA) war das Risiko eines thromboembolischen Ereignisses unter Drospirenon zwei- bis dreimal so gross wie unter Levonorgestrel, dem wichtigsten Gestagen in den Kontrazeptiva der zweiten Generation.(2,3) Die Kohortenstudie, in der 1017 vaskuläre Ereignisse beobachtet wurden, zeigte für Drospirenon sowohl gegenüber Zweitgenerations- wie auch Drittgenerations-Kontrazeptiva ein signifikant höheres Risiko venöser Thrombosen.(4) Die amerikanische Arzneimittelbehörde (FDA) hat eine Untersuchung zum kardiovaskulären Risiko der oralen Kontrazeptiva durchführen lassen, die die Daten von 835'826 Frauen berücksichtigt, denen in den Jahren 2001 bis 2007 ein orales Kontrazeptivum verschrieben wurde. Der entsprechende Bericht wurde im Herbst 2011 veröffentlicht: Gegenüber anderen Kontrazeptiva mit niedrigem Östrogengehalt beträgt unter einem Drospirenon-haltigen Kontrazeptivum das relative Risiko eines thromboembolischen Ereignisses 1,74 (95%-Vertrauensintervall 1,42 – 2,14).(5)

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Kommentar

Man kann sich schon fragen, weshalb Drospirenon-haltige Präparate, von denen man schon seit Jahren weiss, dass sie gegenüber anderen oralen Kontrazeptiva keine relevanten Vorteile haben, weiterhin verschrieben werden. Heute, da nun doch eine ganze Reihe von Studien vorliegt, die ein erhöhtes Thromboembolie-Risiko von Drospirenon zeigen, ist die Verschreibung von Yasmin® und weiteren Drospirenon-haltigen Pillen vollends irrational geworden. Erklären lässt sich dies wohl nur mit der gezielten Werbung und geschickten Beeinflussung der beteiligten Fachpersonen.

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Literatur

  1. Lidegaard Ø et al. BMJ 2009; 339: b2890
  2. Parkin L et al. BMJ 2011; 342: d 2139
  3. Jick SS. BMJ 2011; 342: d2151
  4. Gronich N et al. CMAJ 2011; 183: E1319-25
  5. http://fda-drospirenon.notlong.com
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Standpunkte und Meinungen

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pharma-kritik, 33/No. 6
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Drospirenon: relativ hohes Thromboserisiko (19. Januar 2012)
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