bad drug news

November 2018

Fournier-Gangrän durch Gliflozine (SGLT-2-Hemmer)

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 1. November 2018

Unter einer Behandlung mit Gliflozinen sind vereinzelte Fälle eines Fournier-Gangräns beobachtet worden. Es handelt sich dabei um eine nekrotisierende Fasziitis im Genitalbereich, die sich rasch ausbreitet und lebensbedrohlich ist. Bei Verdacht auf eine solche Infektion sollte man das Gliflozin absetzen, Antibiotika verabreichen und allenfalls ein chirurgisches Débridement durchführen.

FDA-Mitteilung: FDA warns about rare occurrences of a serious infection of the genital area with SGLT2 inhibitors for diabetes

 

Weder Haloperidol (Haldol®) noch Ziprasidon helfen zur Delirbehandlung auf Intensivstation

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 5. November 2018

In einer Doppelblindstudie wurden 566 Personen, die wegen einer akuten Ateminsuffizienz oder eines Schockzustands auf der Intensivstation lagen und bei denen sich ein Delir entwickelt hatte, mit intravenösen Bolusdosen von Haloperidol (max. 20 mg/Tag), Ziprasidon (ein atypisches, in der Schweiz nicht erhältliches Neuroleptikum; max. 40 mg/Tag) oder Placebo behandelt. Die maximale Therapiedauer betrug 14 Tage. Als primärer Endpunkt war die Anzahl Tage definiert, an denen die Patienten und Patientinnen am Leben waren und weder ein deliranter noch ein komatöser Zustand vorlag. In der Haloperidol-Gruppe waren dies im Median 7,9 Tage, in der Ziprasidon-Gruppe 8,7 Tage und in der Placebo-Gruppe 8,5 Tage. Auch bei der 30- und 90-Tages-Überlebensrate sowie bei anderen sekundären Endpunkten fand man keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Neuroleptika und Placebo.

Volltexte der Studie und des Begleiteditorials aus dem «New England Journal of Medicine»: Haloperidol and Ziprasidone for Treatment of Delirium in Critical Illness und Dopamine Antagonists in ICU Delirium

Früherer BDN-Text: Delirbehandlung: Neuroleptika schlechter als Placebo

 

Erhöhen ACE-Hemmer Lungenkrebsrisiko?

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 8. November 2018

Das Ergebnis einer retrospektiven Kohortenstudie lässt vermuten, dass ACE-Hemmer mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko assoziiert sind. Die Grundkohorte bestand aus knapp einer Million Individuen, bei denen ein neues Antihypertensivum verschrieben worden war. Die mittlere Beobachtungszeit betrug 6,4 Jahre. Unter ACE-Hemmern zählte man 1,6 Lungenkrebsfälle pro 1000 Personenjahre; unter Angiotensinrezeptor-Antagonisten (Sartanen), die als Referenz dienten, waren es lediglich 1,2. Dieser Unterschied war mit einer «Hazard Ratio» von 1,14 (1,01–1,29) signifikant.
Ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko könnte damit zusammenhängen, dass ACE-Hemmer auch den Abbau von Bradykinin blockieren, einer Substanz, die möglicherweise das Tumorwachstum fördert.

Volltext der Studie dem BMJ: Angiotensin converting enzyme inhibitors and risk of lung cancer: population based cohort study

 

Kein Vorteil durch Protonenpumpenhemmer als Stressulkus-Prophylaxe

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 12. November 2018

In einer europäischen Multizenterstudie, an der auch zwei Schweizer Spitäler beteiligt waren, wurde der Nutzen eines Protonenpumpenhemmers bei der Stressulkus-Prophylaxe untersucht. Fast 3300 intensivmedizinisch betreute Patienten und Patientinnen, bei denen aufgrund der Begleitumstände ein erhöhtes Risiko einer gastrointestinalen Blutung anzunehmen war, erhielten entweder Pantoprazol (Pantozol® u.a., 40 mg/Tag i.v.) oder Placebo. Die Behandlung dauerte so lange, bis die Intensivstation verlassen werden konnte oder der Tod eingetreten war. Zwar war die Häufigkeit von relevanten Gastrointestinalblutungen in der Pantoprazol-Gruppe niedriger als in der Placebo-Gruppe (2,5% gegenüber 4,2%); doch beim primären Endpunkt, der Gesamtmortalität nach 90 Tagen, fand sich kein signifikanter Unterschied (31,1% gegenüber 30,4%).

Volltexte der Studie und des Begleiteditorials aus dem «New England Journal of Medicine»: Pantoprazole in Patients at Risk for Gastrointestinal Bleeding in the ICU und Proton-Pump Inhibitor Prophylaxis in the ICU – Benefits Worth the Risks?

 

Linaglitptin (Trajenta®): Kein Schutz für Herz oder Hirn

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 20. November 2018

In einer Doppelblindstudie wurden fast 7000 Personen mit einem Typ-2-Diabetes mit dem Dipeptidylpeptidase-4-Hemmer Linagliptin oder Placebo behandelt. Es handelte sich um Patienten und Patientinnen, bei denen bereits eine atherosklerotische Erkrankung sowie eine Nephropathie (eingeschränkte Niereninsuffizienz, Albuminurie) bestanden, die also als Hochrisikogruppe einzuordnen waren. Nach einer Beobachtungszeit von 2,2 Jahren (Medianwert) liess sich beim primären Endpunkt – der Kombination aus kardiovaskulär bedingtem Tod, nicht tödlichem Herzinfarkt und nicht tödlichem Schlaganfall – zwischen den beiden Gruppen kein signifikanter Unterschied erkennen: unter Linagliptin betrug die Ereignisrate 12,4%, unter Placebo 12,1%.
Die Studie war in einem Nichtunterlegenheits-Schema angelegt, weil es primär darum ging, ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko von Linagliptin auszuschliessen. Das Ergebnis darf aber auch so gelesen werden, dass Linagliptin gegenüber kardiovaskulären Ereignissen keinen Schutz bietet.

Volltext der Studie und aus dem JAMA: Effect of Linagliptin vs Placebo on Major Cardiovascular Events in Adults With Type 2 Diabetes and High Cardiovascular and Renal Risk

 

Psychiatrische Nebenwirkungen unter Desogestrel (Cerazette® u.a.)

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 30. November 2018

Desogestrel, ein Gestagen, ist in zahlreichen Kontrazeptiva enthalten, und zwar sowohl in Kombination mit Ethinylestradiol als auch als Monosubstanz. Ein von der WHO publizierter Artikel, der sich auf rein desogestrelhaltige Kontrazeptiva bezieht, beschreibt die psychiatrischen Nebenwirkungen, die diese Präparate zu verursachen vermögen. So können sie, wie es auch in der Packungsbeilage erwähnt ist, zu depressiven Verstimmungen und Libidoverlust führen. Darüber hinaus sind Fälle beschrieben, bei denen Panikattacken, Suizidgedanken und selbstschädigendes Verhalten vorgekommen sind.

Artikel aus dem «WHO Pharmaceuticals Newsletter»: Desogestrel and severe psychiatric disorders: panic attack, suicidal ideation and self-injurious behaviour

 
November 2018
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