bad drug news

Juli 2013

Ergotamin-Derivate nur noch sehr eingeschränkt zu verwenden

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 1. Juli 2013

Ergotamin-Derivate – in der Schweiz ist diese Substanzgruppe mit Dihydroergotamin (Dihydergot®), Dihydroergotoxin (Hydergin®) und Ergotamin (Cafergot®) vertreten – können als Nebenwirkungen fibrosierende Erkrankungen oder einen Ergotismus hervorrufen. Wegen dieser Risiken will die europäische Arneimittelbehörde EMA die Anwendung von Ergotamin-Derivaten stark beschränken: in Zukunft sind diese Mittel bei der Migräneprophylaxe, bei unspezifischen kognitiven Störungen, bei orthostatischer Hypotonie und verschiedenen anderen Gefässproblemen nicht mehr zugelassen. Lediglich bei einzelnen Indikationen (Behandlung des Migräneanfalls, Demenzbehandlung) sollen Ergotamin-Derivate weiterhin eingesetzt werden können.


Mitteilung der EMA: New restrictions on use of medicines containing ergot derivatives

Früherer BDN-Text zu Ergotamin-Derivaten: Ergotamine: Gefährliche Kombination mit CYP3A4-Hemmern

 

Enteropathie unter Olmesartan (Olmetec®, Votum®)

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 5. Juli 2013

In amerikanischen Publikationen wird darauf hingewiesen, dass Olmesartan zu einer Zöliakie-ähnlichen Enteropathie führen kann. Die Symptome wie schwerer, chronischer Durchfall und Gewichtsverlust können auch Monate oder Jahre nach Beginn einer Olmesartan-Behandlung auftreten. In allen bekannten Fällen folgte dem Absetzen von Olmesartan eine Besserung der Beschwerden. Olmesartan ist der einzige Angiotensin-Rezeptorantagonist, bei dem diese Nebenwirkung bislang beobachtet worden ist.


Mitteilung der FDA: FDA approves label changes to include intestinal problems (sprue-like enteropathy) linked to blood pressure medicine olmesartan medoxomil

Fallserie (publiziert in «Mayo Clinic Proceedings»): Severe Spruelike Enteropathy Associated With Olmesartan

«pharma-kritik»-Übersicht zu Olmesartan: Olmesartan

 

Neue Fluorochinolon-Probleme

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 12. Juli 2013

Zwei kanadische Publikationen zeigen neue Probleme auf, die mit der Anwendung von Fluorochinolonen verbunden sind. Im «Canadian Adverse Reaction Newsletter» wird anhand einer Fall-Kontroll-Studie und eines Fallberichts beschrieben, dass Fluorochinolone möglicherweise einer Netzhautablösung Vorschub leisten. Und im «Canadian Medical Association Journal» findet sich eine Fall-Kontroll-Studie, die bei Männern durchgeführt wurde und ergab, dass sich unter einer Behandlung mit Fluorochinolonen das Risiko einer akuten Niereninsuffizienz ungefähr verdoppelt. Ciprofloxacin (Ciproxin® u.a.) und Levofloxacin (Tavanic® u.a.) waren die beiden am meisten verwendeten Fluorochinolone, welche die Basis dieser Daten bilden.


Artikel aus dem «Canadian Adverse Reaction Newsletter»: Oral fluoroquinolones and retinal detachment

Fall-Kontroll-Studie «Canadian Medical Association Journal»: Risk of acute kidney injury associated with the use of fluoroquinolones

Frühere BDN-Texte zu Fluorochinolonen: Chinolone: Risiko von Achillessehnenrupturen steigt mit dem Alter und in Kombination mit Steroiden und Fluorochinolone: Bei Myasthenia gravis kontraindiziert

 

Frühzeitige Hormonsubstitution ohne Einfluss auf Kognition

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 15. Juli 2013

In der WHI-Studie («Women’s Health Initiative») hatte man Frauen in der Postmenopause eine Hormonsubstitution (mit konjugierten Östrogenen ± Gestagen) oder Placebo verordnet. Kürzlich wurde eine weitere Untersuchung veröffentlicht, die im Rahmen der WHI-Studie stattgefunden hatte. Sie zeigte, dass selbst eine Hormonsubstitution, die früh in der Postenopause beginnt (das heisst im Alter von 50 bis 55 Jahren), nicht mit einer Verbesserung der kognitiven Funktionen belohnt wird. Bei allen durchgeführten kognitiven Tests konnte kein signifikanter Unterschied zwischen Hormon- und Kontrollgruppe erhoben werden.


Kurzfassung der Studie aus dem «JAMA Internal Medicine»: Long-Term Effects on Cognitive Function of Postmenopausal Hormone Therapy Prescribed to Women Aged 50 to 55 Years

 

Chlorhexidin und anaphylaktische Reaktionen

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 16. Juli 2013

Chlorhexidin ist eine weit verbreitete antiseptische Substanz, die in Desinfektionsmitteln, Mundspüllösungen und anderem enthalten ist. Eine Mitteilung der Swissmedic erinnert daran, dass Chlorhexidin in seltenen Fällen anaphylaktische Reaktionen auslösen kann. In den letzten 8 Jahren hat Swissmedic 18 Nebenwirkungs-Meldungen zu anaphylaktischen Reaktionen im Zusammenhang mit Chlorhexidin erhalten, die Hälfte davon wurde als lebensbedrohlich eingeschätzt. Zusätzlich sind anaphylaktische Reaktionen bekannt, die nach dem Gebrauch von Medizinprodukten aufgetreten sind, die man mit Chlorhexidin desinfiziert hatte.


Mitteilung von Swissmedic: Anaphylaktische Reaktionen unter Chlorhexidin

Übersichtsartikel zu Chlorhexidin: Chlorhexidine: expanding the armamentarium for infection control and prevention

 

Codein bei Kindern nicht mehr empfohlen

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 17. Juli 2013

Die europäische (und die kanadische) Arzneimittelbehörde sprechen sich dafür aus, dass bei Kindern unter 12 Jahren auf das in Schmerz- und Hustenmitteln enthaltene Codein verzichtet werden soll. Die Empfehlung basiert darauf, dass bei Kindern nach Einnahme von Codein vereinzelt schwere Nebenwirkungen, auch mit Todesfolge, vorgekommen sind. Man nimmt an, dass es sich bei diesen Kindern um «ultrarapid metabolizers» gehandelt hat, also Personen mit erhöhter CYP2D6-Aktivität, bei denen Codein in verstärktem Mass zu Morphin umgewandelt wird und sich daraus ein erhöhtes Risiko einer Opiatintoxikation ergibt.


Mitteilung der EMA: PRAC recommends restricting the use of codeine when used for pain relief in children

Früherer BDN-Text zu Codein: Codein: Vorsicht bei stillenden Frauen

 

Intensive HbA1C-Senkung enttäuscht

Verfasst von: Etzel Gysling
Datum: 23. Juli 2013

Bei einer Kohorte von 58'000 Personen mit einem Typ-2-Diabetes wurde untersucht, wie sich eine mehr oder weniger intensive Senkung des HbA1C auswirkt. Im Zeitraum von 4 Jahren wurde mit einer HbA1C-Senkung unter 7% im Vergleich mit einer weniger guten metabolischen Kontrolle ein späteres Auftreten bzw. eine geringere Progression der Albuminurie erreicht. Ein signifikanter Einfluss auf die Nierenfunktion (Kreatininclearance) oder die Häufigkeit von Herzinfarkten liess sich jedoch unter der intensiveren HbA1C-Senkung nicht beobachten.

Link zum Abstract in Diabetes Care.  

 
Juli 2013
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