bad drug news

März 2011

Behandlung mit einem Sartan bedeutet meist verschwendetes Geld

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 2. März 2011

Es ist bislang nicht nachgewiesen, dass Sartane (Angiotensinrezeptor-Antagonisten) wirksamer sind als ACE-Hemmer, sei es bei arterieller Hypertonie, Herzinsuffizienz oder der Sekundärprävention bei koronarer Herzkrankheit. Einziger nennenswerter Unterschied zwischen den beiden Medikamentengruppen ist der Husten, der bei den ACE-Hemmern als – reversible und nicht als gravierend einzustufende – Nebenwirkung auftreten kann.
In einer kanadischen Kostenanalyse wurde errechnet, welcher Betrag sich einsparen lässt, wenn man bei neu zu behandelnden Patienten und Patientinnen primär einen ACE-Hemmer statt eines Sartans wählt (bei der Analyse ging man davon aus, dass bei knapp 10% der Fälle später auf ein Sartan gewechselt werden muss): Für das Jahr 2006 kam man dabei auf einen geschätzten Betrag von 77 Millionen kanadischer Dollars, um den das kanadische Gesundheitssystem mit einem solchen Verschreibungsverhalten entlastet worden wäre!

Kostenanalyse aus dem «Canadian Medical Association Journal»:
http://sartane-cmaj.notlong.com

 

Japan: Todesfälle nach Impfungen

Verfasst von: Etzel Gysling
Datum: 8. März 2011

Vier kleine Kinder sind in Japan kurz nach der Verabreichung verschiedener Impfstoffe gestorben. Zwei der Impfstoffe (der Pneumokokken-Impfstoff Prevenar der Firma Pfizer und der Hepatitis-B-Impfstoff der Firma Sanofi (ActHIB) wurden nun in Japan vorläufig aus dem Markt zurückgezogen. Der Zusammenhang mit den Impfstoffen wird zur Zeit genauer untersucht. Todesfälle nach Injektion von Prevanar sind auch in anderen Ländern beobachtet worden; bisher konnte jedoch kein Zusammenhang etabliert werden.

Link zur Pressemeldung

Prevenar in infomed-screen

 

Topiramat (Topamax® u.a.) wird neu als eindeutig teratogen beurteilt

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 11. März 2011

Topiramat, ein Antiepileptikum, das neben der Epilepsiebehandlung auch zur Migräneprophylaxe zugelassen ist, hat gemäss neuen Daten auch beim Menschen ein teratogenes Potential, indem es beim ungeborenen Kind Spaltbildungen im Mundbereich hervorrufen kann. Es wurde deshalb durch die FDA von der Schwangerschaftskategorie C in die Kategorie D umgestuft.
FDA-Mitteilung

pharma-kritik-Nummern mit Abschnitten zu Topiramat:
Neue Antiepileptika
Topiramat-Nebenwirkungen

Frühere BDN-Texte zu Topiramat:
Myopie und Glaukom unter Topiramat
Topiramat: Genügend trinken, wenn es warm ist

 

Erhöhte Sturz- und Frakturgefahr unter einmal jährlichem hochdosiertem Vitamin D

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 17. März 2011

In einer Doppelblindstudie erhielten 2256 australische Frauen, die mindestens 70 Jahre alt waren und bei denen aufgrund anamnestischer Angaben von einem erhöhten Hüftfraktur-Risiko auszugehen war, während drei bis fünf Jahren hochdosiertes Vitamin D (500'000 E oral) einmal pro Jahr oder Placebo. Dabei ergab sich, dass Stürze und Frakturen (jedwelcher Art) in der Vitamin-D-Gruppe häufiger vorkamen als in der Kontrollgruppe: unter Vitamin D betrug die Sturzrate 83 pro 100 Personenjahre und die Frakturrate 4,9 pro 100 Personenjahre; unter Placebo waren es 73 bzw. 3,9 pro 100 Personenjahre.

Volltext der Studie aus dem JAMA

 

Erniedrigte Magnesiumkonzentration durch Protonenpumpenhemmer

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 23. März 2011

In einer Mitteilung der FDA wird darauf hingewiesen, dass eine längerfristige Behandlung mit Protonenpumpenhemmern – vor allem wenn sie mehr als ein Jahr dauert – eine Hypomagnesiämie hervorrufen kann. In rund einem Viertel der beobachteten Fälle musste der Protonenpumpenhemmer abgesetzt werden, da eine Magnesiumgabe den Spiegel nicht zu normalisieren vermochte. Eine Hypomagnesiämie kann zu ernsthaften Nebenwirkungen führen wie Muskelspasmen, Arrhythmien oder Konvulsionen. Deshalb seien Kontrollen des Magnesiumspiegels zu erwägen, falls Protonenpumpenhemmer über längere Zeit oder in Kombination zum Beispiel mit Diuretika oder Digoxin eingenommen werden.

Mitteilung der FDA

Frühere BDN-Texte zu Protonenpumpenhemmern:
Protonenpumpenhemmer dienen schlecht für die Diagnose einer gastroösophagealen Refluxkrankheit
Protonenpumpenhemmer und H2-Blocker sind mit erhöhtem Pneumonie-Risiko assoziiert
Erhöhen Protonenpumpenhemmer das Risiko einer pseudomembranösen Kolitis?
Erhöhen Protonenpumpenhemmer das Risiko von Femurfrakturen?

 

Androgenentzug beim Prostatakarzinom: Zählt das Kolorektalkarzinom zu den Risiken?

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 30. März 2011

Im Gegensatz zum symptomatischen metastasierenden Prostatakarzinom ist bei einem lokalisierten Tumor der Androgenentzug mit Gonadotropin-Agonisten oder einer Orchiektomie nicht unumstritten, auch weil die Gefahr einer Ostoporose, kardiovaskulären Erkrankung oder eines Diabetes zunimmt. In einer epidemiologischen Untersuchung, die sich auf die Daten von über 100’000 amerikanischen Männern mit einem Prostatakarzinom stützte, zeigte sich, dass der Androgenentzug auch das Risiko eines Kolorektalkarzinoms zu erhöhen scheint: bei Männern mit einer Orchiektomie erreichte die jährliche Kolorektalkarzinom-Inzidenz 6,3 ‰, bei Männern unter Gonadotropin-Agonisten 4,4 ‰ und bei Männern ohne Androgenentzug 3,7 ‰. Signifikant erhöht war das Risiko bei denjenigen Männern, bei denen sich der Androgenentzug auf über zwei Jahre erstreckt hatte.

Abstract der Studie aus dem «Journal of the National Cancer Institute»

Früherer BDN-Text zu den Gonadotropin-Agonisten:
Gonadotropin-Agonisten: Erhöhtes Diabetes- und kardiovaskuläres Risiko?

 
März 2011
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