bad drug news

Dezember 2003

Anaphylaktische Reaktionen nach Lepirudin (Refludan®)

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 12. Dezember 2003

Lepirudin (rekombinantes Hirudin) wird zur Thromboembolie-Prophylaxe und Therapie empfohlen bei Leuten, die von einer heparininduzierten Thrombozytopenie betroffen sind. Das Mittel kann, wie anhand von zehn Fällen gezeigt wird, schwere anaphylaktische Reaktionen auslösen. Bei den Betroffenen traten innerhalb weniger Minuten, nachdem sie Lepirudin erhalten hatten, typische Symptome wie Blutdruckabfall, Hautreaktionen, Übelkeit, Bronchospasmus oder Fieber auf. In vier Fällen führte die anaphylaktische Reaktion zum Tod, wobei es sich um Personen handelte, die bereits einmal mit Lepirudin behandelt worden waren. Daraus wurde abgeleitet, dass das Risiko bei Reexposition höher liegt. Bei der einzigen Patientin, bei der es untersucht wurde, konnten Antikörper vom IgG-Typ gegen Lepirudin nachgewiesen werden.

Abstract der Fallserie:
http://circ.ahajournals.org/cgi/content/abstract/108/17/2062

Übersicht zu Lepirudin:
http://circ.ahajournals.org/cgi/content/full/103/10/1479

 

Nitroglycerin-Gabe hat keine Aussagekraft, ob eine koronare Herzkrankheit vorliegt

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 19. Dezember 2003

Eine in den «Annals of Internal Medicine» publizierte Studie zeigt, dass sich Nitroglycerin nicht eignet, um eine koronare Herzkrankheit zu diagnostizieren: Über 400 Personen, die wegen Brustschmerzen eine Notfallstation aufgesucht hatten, erhielten ein oder zwei Dosen Nitroglycerin zu 0,4 mg (Kapseln oder Spray). Eine Schmerzabnahme um mindestens 50% auf einer 10-Punkte-Skala galt als Ansprechen auf Nitroglycerin. In derjenigen Gruppe, in der Anamnese oder weitere Abklärungen eine koronare Herzkrankheit als wahrscheinlichste Ursache für den Brustschmerz geliefert hatten, half Nitroglycerin in 35% der Fälle. Bei den anderen Personen, die nicht an einer koronaren Herzkrankheit litten, reagierten dagegen 41% auf die Nitroglycerin-Gabe. Das Ergebnis wird damit erklärt, dass Nitroglycerin auch Spasmen im Ösophagus oder anderer glatter Muskulatur lindere bzw. bei wirklichen Koronarverschlüssen nicht wirken könne.

Abstract zur Studie:
http://www.annals.org/cgi/content/abstract/139/12/979

 

Valganciclovir (Valcyte®) nicht empfohlen zur Zytomegalie-Prophylaxe bei Leber- und Lungentransplantierten

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 2. Dezember 2003

In den USA hat die Herstellerfirma von Valganciclovir informiert, dass das Mittel nach Organtransplantationen zur Prophylaxe einer Infektion mit dem Zytomegalievirus-(CMV) eingesetzt werden kann (wenn das gespendete Organ von einer CMV-positiven Person stammt und einer CMV-negativen Person eingepflanzt wird). Diese Indikation wird durch eine Studie spezifiziert, in der Valganciclovir und Ganciclovir (Cymevene®) doppelblind während drei Monaten miteinander verglichen wurden. Unter Valganciclovir zählte man nach Nieren-, Herz- oder kombinierter Nieren-Pankreas-Transplantation weniger, nach Lebertransplantation dagegen mehr CMV-Infekte als unter Ganciclovir. Deshalb soll Valganciclovir nicht bei Lebertransplantieren verwendet werden; dasselbe gilt für Transplantationen anderer solider Organe (z.B. Lunge), die in dieser Studie nicht untersucht worden sind. Amerikanischer «Dear Doctor Letter»:
http://www.fda.gov/medwatch/SAFETY/2003/valcyte.htm

 
Dezember 2003
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