bad drug news

August 2000

Tachykarde Rhythmusstörungen unter Sumatriptan (Imigran®) und anderen Triptanen

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 25. August 2000

Triptane können über eine Vasokonstriktion der Koronararterien zu einer Myokardischämie führen. Neben Infarkten scheint dies auch Rhythmusstörungen hervorrufen zu können, wie man einem Fallbericht im «British Medical Journal» entnehmen kann: Bei einem 34jährigen Mann mit Migräne traten nach Verwendung von Sumatriptan-Nasenspray Palpitationen auf, verursacht durch ein tachykardes Vorhofflimmern. Innerhalb von zwölf Stunden wechselte das Vorhofflimmern spontan wieder in einen Sinusrhythmus. Wie sich der Mann erinnerte, hatte Sumatriptan bei ihm offenbar schon einmal eine solche Episode ausgelöst. Insgesamt sind bei der britischen Nebenwirkungszentrale sechs Meldungen eingegangen, bei denen ein Zusammenhang zwischen Sumatriptan und Vorhofflimmern vermutet wird; bei anderen Triptanen sind ebenfalls tachykarde Rhythmusstörungen vorgekommen.

Volltext des Fallberichts aus dem «British Medical Journal»: http://www.bmj.com/cgi/content/full/321/7256/275

«pharma-kritik»-Artikel zur Migränetherapie mit Triptanen (nur mit Abonnement/Passwort zugänglich): http://www.infomed.org/pharma-kritik/abo/pk12a-98njs.html

Internetadressen mit umfassenden weiterführenden «Links» zu Kopfschmerzen und Migräne: http://www.ama-assn.org/special/migraine/ http://www.jr2.ox.ac.uk/Bandolier/booth/booths/migraine.html

 

Valproinsäure (Depakine® u.a.): Warnung wegen Pankreatitis

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 18. August 2000

In den USA hat die Herstellerfirma mit einer warnenden Mitteilung daran erinnert, dass Valproinsäure sowohl bei Kindern wie bei Erwachsenen Pankreatitiden hervorrufen kann. Bei einigen der bekannt gewordenen Fälle handelte es sich um eine hämorrhagische Pankreatitis, die rasch zum Tod führte. Eine Pankreatitis kann sich kurz nach Therapiebeginn, aber auch nach jahrelanger Valproinsäure-Einnahme entwickeln. Treten unter einer Behandlung mit Valproinsäure Bauchschmerzen, Übelkeit oder Appetitlosigkeit auf, ist also nicht nur an eine Leberschädigung - als Nebenwirkung eher bekannt -, sondern auch an eine Pankreatitis zu denken. Falls sich diese Verdachtsdiagnose bestätigt, soll Valproinsäure sofort abgesetzt werden.

Warnung der Herstellerfirma («Dear Doctor Letter»): http://www.fda.gov/medwatch/safety/2000/depako.htm

«Medscape»-Zusammenfassung mit weiteren Informationen/Links (kostenlose Anmeldung/Passwort nötig; falls Sie noch kein Passwort haben, klicken Sie beim Eingabefenster auf «Abbrechen» und Sie kommen zur Anmeldeseite): http://www.medscape.com/Medscape/features/newsbeat/2000/0700/PSY-valproate.html

 

Verlängerung des QT-Intervalls unter Thioridazin (Melleril®, Melleretten®)

Verfasst von:
Datum: 11. August 2000

Weil Thioridazin dosisabhängig das QT-Intervall verlängern und ventrikuläre Arrhythmien auslösen kann (z.B. Torsades de pointes), weist die Herstellerfirma - auf Aufforderung der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA - darauf hin, dass das Mittel nur noch eingesetzt werden soll, wenn andere Neuroleptika nicht wirken oder nicht vertragen werden. Ferner wird geraten, bei einer Behandlung mit Thioridazin regelmässig EKG-Kontrollen und Messungen des Kaliumspiegels durchzuführen. Thioridazin wird über das Zytochrom-P450-Isoenzym CYP2D6 metabolisiert. Deshalb ist Thioridazin in allen Situationen kontraindiziert, in denen der Abbau verlangsamt ist; das betrifft sowohl Personen mit verminderter CYP2D6-Aktivität (Debrisoquin-Polymorphismus) als auch Leute, die mit Medikamenten behandelt werden, die CYP2D6 hemmen (z.B. Fluoxetin = Fluctine u.a.). Ebenfalls vermieden werden sollte die Kombination von Thioridazin mit anderen Substanzen, die das QT-Intervall verlängern, sowie die Kombination mit Fluvoxamin (Floxyfral®), Propranolol (Inderal® u.a.) und Pindolol (Visken® u.a.).

Information der Herstellerfirma («Dear Doctor Letter»): http://www.fda.gov/medwatch/safety/2000/mellar.htm

Neue Version der Thioridazin-Packungsbeilage in den USA (PDF-File, «Acrobat Reader» nötig): http://www.fda.gov/cder/ogd/rld/17923s48.PDF

 
August 2000
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