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Genotypisierung vor geplanter Behandlung mit Clopidogrel (Plavix® u.a.) zeigt keinen Vorteil

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 11. November 2020

Clopidogrel muss, um seine plättchenhemmende Wirkung zu entfalten, via Zytochrome zum aktiven Metaboliten umgewandelt werden. Das polymorph vererbte CYP2C19 spielt dabei eine wichtige Rolle, weshalb man bei verminderter CYP2C19-Aktivität (langsamem Metabolismus) von einer potentiell ungenügenden Clopidogrel-Wirkung ausgeht.
In einer randomisierten Studie wurde prospektiv untersucht, welchen Einfluss es hat, wenn man sich bei der Wahl eines Plättchenhemmers von einer vorgängigen Genotypisierung leiten lässt. Knapp 5300 Personen, bei denen eine koronare Intervention stattgefunden hatte, wurden auf zwei Gruppen verteilt. In der einen Gruppe wurde die CYP2C19-Aktivität ermittelt und bei langsamem Metabolismus die Plättchenhemmung mit Ticagrelor (Brilique®) fortgesetzt, während bei normalem Metabolismus Clopidogrel verschrieben wurde. In der anderen Gruppe führte man keine Genotypisierung durch und setzte Clopidogrel ein. Nach 12-monatiger Beobachtung fand sich beim primären Endpunkt (Kombination von kardiovaskulär bedingtem Todesfall, Myokardinfarkt, Schlaganfall, erneuter Ischämie und Stentthrombose) zwischen den beiden Gruppen kein signifikanter Unterschied. Dies bezieht sich auf die Analyse der ganzen Studienpopulation (HR = 0,84 [0,65–1,07]) als auch auf den Vergleich, für den nur die Leute mit langsamem Metabolismus herangezogen wurden (HR = 0,66 [0,43–1,02]).

Kurzform der Studie aus dem JAMA: Effect of Genotype-Guided Oral P2Y12 Inhibitor Selection vs Conventional Clopidogrel Therapy on Ischemic Outcomes After Percutaneous Coronary Intervention

 
Genotypisierung vor geplanter Behandlung mit Clopidogrel (Plavix® u.a.) zeigt keinen Vorteil (11. November 2020)
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