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Schizophrenie: atypische Neuroleptika besser?

r -- Rosenheck R, Perlick D, Bingham S et al. Effectiveness and cost of olanzapine and haloperidol in the treatment of schizophrenia: a randomized controlled trial. JAMA 2003 (26. November); 290: 2693-702 [Link]
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infomed screen Jahrgang 8 (2004) , Nummer 2
Datum der Ausgabe: Februar 2004

Studienziele
Wegen ihres anderen Nebenwirkungsprofils werden heute vielerorts die sogenannten atypischen Neuroleptika in der Behandlung der Schizophrenie bevorzugt eingesetzt. Sie führen häufiger zu einer Gewichtszunahme und begünstigen eine diabetische Stoffwechsellage. In der vorliegenden Doppelblindstudie des amerikanischen «Veterans Affairs»-Programms wurden die Langzeitwirkung und die Behandlungskosten von Olanzapin (Zyprexa®) und von Haloperidol (Haldol® u.a.) verglichen.

Methoden
309 Personen mit einer Schizophrenie oder einer schizoaffektiven Störung wurden in eine Doppelblindstudie aufgenommen (96% Männer). Sie erhielten täglich entweder 5 bis 20 mg Olanzapin (durchschnittlich um 15 mg) oder 5 bis 20 mg Haloperidol (durchschnittlich etwa 14 mg). Die mit Haloperidol behandelten Personen erhielten prophylaktisch (gegen extrapyramidale Symptome) das Anticholinergikum Benzatropin (in der Schweiz nicht erhältlich). Primär von Interesse waren die Krankheitssymptome, die Lebensqualität, die kognitiven Funktionen sowie das Auftreten von unerwünschten Wirkungen.

Ergebnisse
Während der 12monatigen Beobachtungszeit fanden sich weder in Bezug auf die Wirksamkeit (positive und negative Symptome der Schizophrenie), noch auf die Lebensqualität, noch auf das Auftreten von extrapyramidalen Symptomen insgesamt signifikante Unterschiede zwischen den beiden Behandlungsgruppen. Bei den mit Olanzapin behandelten Personen wurden weniger Akathisien beobachtet. Kleine, aber statistisch signifikante Vorteile fanden sich auch bezüglich einzelner kognitiver Funktionen (z.B. Gedächtnisleistung). Bei 25% der mit Olanzapin Behandelten trat eine deutliche Gewichtszunahme auf, bei den mit Haloperidol Behandelten in rund 8%. Die Medikamentenkosten waren mit Olanzapin wesentlich höher als mit Haloperidol.

Schlussfolgerungen
In der Langzeitbehandlung von Personen mit Schizophrenie sind Olanzapin und Haloperidol ähnlich wirksam. Unter Haloperidol treten häufiger Akathisien auf, Olanzapin verursacht häufiger eine Gewichtszunahme und höhere Medikamentenkosten.

Zusammengefasst von Thomas Koch

Eine Studie mit einem recht realitätsnahen Design und einem bemerkenswerten, wenn auch nicht überraschenden Ergebnis: kaum klinisch relevante und keine ökonomischen Unterschiede - mit Ausnahme der für Olanzapin höheren Medikationskosten (hierzulande bei 10 mg täglich etwa 400% mehr als Haloperidol). Cave vorschnelle Verallgemeinerungen (nur Männer, nur Olanzapin): was aber spricht wirklich noch für «atypische» Neuroleptika als erste Wahl? Die metabolischen Nebenwirkungen (Gewichtszunahme, Diabetes, Dyslipidämien)? Es ist zwar nicht ganz auszuschliessen, dass die prophylaktische Gabe von Anticholinergika wie Biperiden (Akineton®) einen Risikofaktor für tardive Dyskinesien abgibt, trotzdem: «these results are substantially less favorable for olanzapine than those reported in previous trials» und dies obwohl: «supported by Lilly»!

 

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Schizophrenie: atypische Neuroleptika besser? (Februar 2004)
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