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MAO-B-Hemmer bei Morbus Parkinson

m -- Ives NJ, Stowe RL, Marro J et al. Monoamine oxidase type B inhibitors in early Parkinson's disease: meta-analysis of 17 randomised trials involving 3525 patients. BMJ 2004 (11. September); 329: 593-9 [Link]
Zusammengefasst von: Markus Häusermann
Kommentiert von: Hans-Peter Ludin
infomed screen Jahrgang 8 (2004) , Nummer 11
Datum der Ausgabe: November 2004

Studienziele
Monoaminooxidase-B-Hemmer (MAO-B-Hemmer) wie Se-legilin (Jumexal® u.a.) verbessern die Parkinson-Symptome und verlangsamen in der Frühphase möglicherweise auch das Fortschreiten der Krankheit. Die Substanzen gerieten in Verruf, nachdem Selegilin in einer Studie die Mortalität zu erhöhen schien. Um die offenen Fragen zu klären, wurde eine Metaanalyse der verfügbaren Studien durchgeführt.

Methoden
Randomisierte Studien über MAO-B-Hemmer mit oder ohne Levodopa/Dekarboxylase-Hemmer (Madopar®, Sinemet®) bei idiopathischer Parkinson-Krankheit im Frühstadium wurden mit einer umfassenden Suchstrategie zusammengetragen. Für die Metaanalyse berücksichtigt wurden diejenigen Arbeiten, die gewisse Qualitätskriterien erfüllten und in denen die Kon-trollen entweder mit Placebo oder mit Levodopa/Dekarboxylase-Hemmer allein behandelt worden waren.

Ergebnisse
17 Studien (14 davon mit Selegilin) mit zusammen 3'525 Parkinsonkranken erfüllten die Einschlusskriterien. MAO-B-Hemmer verbesserten die Symptomenskores signifikant, ermöglichten ein längeres Zuwarten mit der Levodopa-Therapie und verminderten die motorischen Fluktuationen unter Levodopa, nicht aber die Dyskinesien. Die Frage, ob MAO-B-Hemmer das Fortschreiten der Krankheit im Langzeitverlauf verlangsamen, konnte auch anhand der kombinierten Daten nicht schlüssig beantwortet werden. Bei Zu-sammenfassung aller Studien verursachten MAO-B-Hemmer keine signifikante Erhöhung der Mortalität («Odds Ratio» 1,13; 95%-Vertrauensintervall 0,94-1,34). Bezüglich Nebenwirkungen der MAO-B-Hemmer waren die einzelnen Studienresultate widersprüchlich und konnten nicht schlüssig ausgewertet werden.

Schlussfolgerungen
In der Frühphase der Parkinson-Krankheit verbessern MAO-B-Hemmer die Symptome und ermöglichen das Aufschieben oder eine Dosisreduktion von Levodopa. Weiter unklar bleibt, ob diese Medikamentenklasse das Fortschreiten der Krankheit im Langzeitverlauf verzögert. Bedenken, dass diese Substanzen die Mortalität erhöhen könnten, werden durch die Metaanalyse nicht bestätigt.

Zusammengefasst von Markus Häusermann

Bei der ersten Lektüre des vorliegenden Artikels stellt man erfreut fest, dass die MAO-B-Hemmer, und insbesondere Selegilin, vom Vorwurf, sie erhöhten die Mortalität von Parkinsonkranken, entlastet werden. Auf den zweiten Blick stellt sich allerdings Ernüchterung ein. Im Artikel, der seinerzeit die Kontroverse um Selegilin ausgelöst hat,1 wird ausdrücklich die Kombinationsbehandlung von Levodopa mit Selegilin unter Verdacht gestellt. Dieser kann durch die vorliegende Metaanalyse nicht entkräftet werden, da sowohl Studien, die Selegilin allein und solche, die die Kombination mit Levodopa verwendeten, eingeschlossen und nicht getrennt betrachtet wurden.

 

Standpunkte und Meinungen

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MAO-B-Hemmer bei Morbus Parkinson (November 2004)
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