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Duplexsonographie bei Thromboseverdacht

k -- Stevens SM, Elliott CG, Chan KJ et al. Withholding anticoagulation after a negative result on duplex ultrasonography for suspected symptomatic deep venous thrombosis. Ann Intern Med 2004 (15. Juni); 140: 985-91 [Link]
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infomed screen Jahrgang 8 (2004) , Nummer 9
Datum der Ausgabe: September 2004

Studienziele 
Mit der einfachen Kompressionsultraschalluntersuchung der Femoral- und Poplitealvenen können Thrombosen der proximalen Beinvenen mit grosser Wahrscheinlichkeit diagnostiziert oder ausgeschlossen werden. Da Thrombosen der Wadenmuskelvenen aber verpasst werden können, wird häufig eine zweite Untersuchung nach einigen Tagen empfohlen. In dieser Studie sollte untersucht werden, ob eine einmalige duplexsonographische Untersuchung der Beinvenen eine Thrombose genügend sicher nachweisen oder ausschliessen kann. 

Methoden 
Alle Personen, die mit Verdacht auf eine tiefe Venenthrombose auf die Gefässabteilung einer Universitätsklinik kamen, wurden von der Leiste bis zum Knöchel mittels Duplexsonographie untersucht. Einziges Kriterium für eine Thrombose war die Inkompressibilität eines Venenabschnitts. Ausgeschlossen wurden unter anderem Personen, die bereits einmal eine Thrombose hatten. Bei denjenigen, bei denen sonographisch keine Thrombose nachgewiesen werden konnte, wurde die Antikoagulation abgesetzt. Sie wurden bei Zunahme ihrer Symptome oder bei Verdacht auf eine Lungenembolie erneut untersucht. Die Beobachtung dauerte mindestens 3 Monate. 

Ergebnisse 
Von 523 konsekutiv untersuchten Personen konnten 445 in die Studie aufgenommen werden. Bei 61 wurde eine Thrombose diagnostiziert. Von den 384 sonographisch Negativen konnten 375 weiter beobachtet werden. 353 brauchten keine weiteren Untersuchungen und keine Antikoagulation. Bei 22 wurden wegen weiterhin bestehendem Verdacht auf rezidivierende Thromboembolien zusätzliche Untersuchungen durchgeführt. Lungenembolien wurden keine diagnostiziert. Bei 3 Personen wurde sonographisch nach einem, nach 10, bzw. nach 64 Tagen eine Beinvenenthrombose nachgewiesen, und zwar 2 isolierte Thrombosen im Wadenbereich und eine proximale Thrombose. 

Schlussfolgerungen 
Mit einer einmaligen vollständigen Duplexsonographie durch eine geübte Fachperson kann eine erste tiefe Venenthrombose mit grosser Sicherheit ausgeschlossen werden. 

Zusammengefasst von Peter Koller

Mit dieser Studie wird gezeigt, dass bei klinischem Verdacht auf eine tiefe Beinvenenthrose die komplette duplexsonographische Untersuchung auch der peripheren Wadenmuskelvenen bei einem negativen Befund eine Thrombose mit grosser Sicherheit ausschliessen kann. Dies steht im Gegensatz zur einfachen Kompressionsuntersuchung der Oberschenkel- und Poplitealvenen, die nach einigen Tagen wiederholt werden sollte. Die Verfeinerung und Verbesserung der technischen Untersuchung gibt in einzelnen Fällen mehr Sicherheit. Eine gute Anamnese, die Beachtung der Risikofaktoren und der Komorbidität, eine genaue klinische Untersuchung und paraklinische Parameter (D-Dimer) ergeben aber oft bereits die Diagnose, die Sonographie ist nur noch Bestätigung. Andererseits können kleine Befunde an einer peripheren Vene eventuell vorläufig vernachlässigt und bei Zunahme der Symptome kontrolliert werden. Der klinische Verdacht auf eine Lungenembolie jedoch bedarf der weiteren Klärung auch bei negativer Duplexsonographie.

Peter Koller

 

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Duplexsonographie bei Thromboseverdacht (September 2004)
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