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Alzheimer: Donepezil enttäuschend

r -- Courtney C, Farrell D, Gray R et al. Long-term donepezil treatment in 565 patients with Alzheimer's disease (AD2000): randomised double-blind trial. Lancet 2004 (26. Juni); 363: 2105-15 [Link]
Zusammengefasst von: Peter Ritzmann
Kommentiert von: Alex Flückiger
infomed screen Jahrgang 8 (2004) , Nummer 10
Datum der Ausgabe: Oktober 2004

Studienziele
Acetylcholinesterasehemmer wie Donepezil (Aricept®) können bei Kranken mit einer Demenz vom Alzheimertyp zu einer Verbesserung von kognitiven Funktionen führen. In einzelnen Studien wurde auch dokumentiert, dass mit diesen Medikamenten der Eintritt in ein Pflegeheim hinausgezögert werden kann. In der vorliegenden, von der Firma unabhängig durchgeführten, britischen Studie wurde versucht, praktisch relevante Auswirkungen einer länger dauernden Anwendung von Donepezil nachzuweisen.

Methoden
Untersucht wurden nicht-institutionalisierte Alzheimer-Kranke mit einer leichten oder mittelschweren Demenz («Mini Mental Score» von 19-26 bzw. von 10-18). Sie erhielten nach einer zwölfwöchigen Einlaufphase nach dem Zufall Placebo, 5 mg oder 10 mg Donepezil täglich. Primäre Endpunkte waren der Eintritt in ein Pflegeheim und das Fortschreiten der Behinderung.

Ergebnisse
Ursprünglich wurden 565 Personen aufgenommen; davon begannen 486 ein erstes, 194 ein zweites und 51 ein drittes Behandlungsjahr. Über die ganze Beobachtungszeit gesehen fanden sich kleine, aber statistisch signifikante Unterschiede in den kognitiven Tests. So erreichten die Behandelten in der Donepezilgruppe durchschnittlich 0,5 Punkte mehr im «Mini Mental Score» als die Kranken in der Kontrollgruppe. Keine statistisch signifikante Wirkung konnte aber gezeigt werden in Bezug auf den Zeitpunkt eines Pflegeheim-Eintritts (42% gegenüber 44% nach drei Jahren) oder bezüglich Fortschreiten der Behinderung (58% gegenüber 59% nach drei Jahren). Auch die beiden Donepezil-Dosierungen unterschieden sich nicht wesentlich.

Schlussfolgerungen
Die Studie bestätigt eine Verbesserung der kognitiven Funktionen durch Donepezil bei einer Demenz vom Alzheimertyp. Der Effekt war aber äusserst bescheiden und relevante Verbesserungen von härteren Endpunkten fehlten.

Zusammengefasst von Peter Ritzmann

Diese industrieunabhängige, placebokontrollierte Doppelblindstudie demonstriert, dass die Cholinesterasehemmer (in diesem Fall Donepezil) mittel- bis langfristig weder den zerebralen Zerfall aufhalten noch eine Einweisung ins Pflegeheim hinauszögern. Die Indikation zur teuren, nicht immer gut verträglichen Therapie mit einer dieser Substanzen sollte deshalb äusserst zurückhaltend (wenn überhaupt) gestellt werden.

Alex Flückiger

 

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Alzheimer: Donepezil enttäuschend (Oktober 2004)
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