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Übergewicht erhöht Krebsmortalität

k -- Calle EE, Rodriguez C, Walker-Thurmond K et al. Overweight, obesity, and mortality from cancer in a prospectively studied cohort of U.S. adults. N Engl J Med 2003 (24. April); 348: 1625-38 [Link]
Kommentiert von: Paolo M. Suter
infomed screen Jahrgang 7 (2003) , Nummer 7
Datum der Ausgabe: Juli 2003

Studienziele

In dieser prospektiven Studie wurde der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebsrisiko untersucht, der für einzelne Tumorarten zwar belegt, aber noch nie detailliert zusammengestellt worden ist.

Methoden

Beim Studienkollektiv handelte es sich um über 900’000 Männer und Frauen im Durchschnittsalter von 57 Jahren, die sich für die 1982 in den USA gestartete «Cancer Prevention Study» hatten gewinnen lassen. Normalgewichtige (BMI unter 25 kg/m2) bildeten die Referenzgruppe. Zusätzlich
wurden Daten erhoben zu weiteren Faktoren, die das Krebsrisiko beeinflussen, wie zum Beispiel Rauchen, körperliche Aktivität, Alkoholkonsum, Essgewohnheiten oder Einnahme von Medikamenten (Hormone, Acetylsalicylsäure).

Ergebnisse

Während der Beobachtungszeit von 16 Jahren starben 8% der Männer und 5% der Frauen an Krebs. Korrigiert für die bekannten Faktoren war die Krebsmortalität bei Männern mit einem BMI von mindestens 30 um 9%, bei einem BMI von mindestens 35 um 20% und bei einem BMI von mindestens
40 um 52% höher als bei Normalgewichtigen. Bei Frauen betrugen die entsprechenden Prozentsätze 23%, 32% und 62%. Bei den meisten Krebsarten war ein Zusammenhang zwischen zunehmendem Gewicht und steigender Krebsmortalität nachweisbar; Ausnahmen bildeten das Melanom, das Bronchus- und das Blasenkarzinom sowie Hirntumoren, bei den Frauen ausserdem das Ösophagus- und das Magenkarzinom sowie Leukämien. Aufgrund der Gewichtsverteilung
in der Bevölkerung der USA errechneten die Studienverantwortlichen, dass 14% der Krebstodesfälle bei den Männern und 20% bei den Frauen dem Übergewicht zugeschrieben werden können.

Schlussfolgerungen

Das Risiko, an Krebs zu sterben, ist bei Übergewichtigen signifikant höher als bei Normalgewichtigen. Für die Bevölkerung der USA scheint bei einem Siebtel bis Fünftel der Krebstodesfälle Übergewicht ein entscheidender Faktor zu sein.

Auch in der Schweiz wird in Bälde die Hälfte der Population übergewichtig und ein guter Anteil adipös sein. Nebst der gewichtsbedingten Zunahme des Diabetes mellitus Typ 2 gibt es Hinweise darauf, dass wir nun auch noch mit einer Zunahme der Karzinommortalität rechnen müssen. In Abhängigkeit vom Tumortyp zeigte sich mit zunehmendem Körpergewicht eine Zunahme des Krebsrisikos. Wie ein erhöhtes Körpergewicht (bzw. Fettmasse) das Karzinomrisiko zu erhöhen vermag, ist nicht genau bekannt. Wahrscheinlich handelt es sich um ein komplexes Zusammenspiel von genetischer Prädisposition, adipositasassoziierten Erkrankungen (z.B. Adipositas führt zu einer Blutdruckerhöhung, Hypertonie kann das Risiko eines Nierenkarzinoms erhöhen), Fettgewebshormonen und Lebensstilfaktoren (Ernährung, körperliche Aktivität). Die Karzinogenese ist ein multifaktorieller, sich über mehrere Jahre hinziehender Prozess, ebenso das Übergewicht und die Adipositas. Es ist naheliegend, dass verschiedene modifizierbare Lebensstilfaktoren für beide Erkrankungen verantwortlich gemacht werden können. Übergewicht ist der wichtigste Krankheitsmodulator in der modernen Gesellschaft. Die Stabilisierung des Körpergewichtes (unabhängig von der Höhe des Körpergewichtes) ist «hic et nunc» von zentralster medizinischer Bedeutung.

Paolo M. Suter

 

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