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Stillen gegen Schmerzen

r -- Carbajal R, Veerapen S, Couderc S et al. Analgesic effect of breast feeding in term neonates: randomised controlled trial. BMJ 2003 (4. Januar); 326: 13-5 [Link]
Kommentiert von: Hans-Ulrich Bucher
infomed screen Jahrgang 7 (2003) , Nummer 4
Datum der Ausgabe: April 2003

Studienziele

In früheren Studien konnte gezeigt werden, dass die Gabe von Glukoselösungen, Schnuller sowie der direkte Hautkontakt Kind/Mutter die Schmerzreaktion bei Neugeborenen während einer Venenpunktion vermindert. In dieser randomisierten Studie wurde untersucht, wie es sich im Vergleich dazu auswirkt, wenn das Kind während der Punktion gestillt wird.

Methoden

An der Studie waren 180 Neugeborene beteiligt, bei denen eine Venenpunktion durchgeführt wurde. Sie wurden in 4 gleich grosse Gruppen eingeteilt: 45 Kinder wurden während der Punktion gestillt, 45 von der Mutter gehalten, aber nicht gestillt, 45 Babys erhielten kurz vor der Blutentnahme 1 ml einer 30%igen Glukoselösung und danach einen Schnuller und 45 Kinder zur Kontrolle 1 ml steriles Wasser. Die Reaktion der Neugeborenen auf den Nadelstich wurde mit Video aufgezeichnet und von unbeteiligten Fachleuten mittels zwei Schmerzskalen beurteilt.

Ergebnisse

Die schwächsten Schmerzreaktionen zeigten Kinder, die während der Blutentnahme gestillt wurden (durchschnittlich 1 Punkt) gefolgt von denjenigen, die Glukoselösung und Schnuller erhalten hatten (3 Punkte). Die Kinder, die von der Mutter gehalten, aber nicht gestillt wurden und diejenigen, die nur Wasser erhalten hatten, zeigten signifikant stärkere Schmerzreaktionen (durchschnittlich 10 Punkte). Die Ergebnisse beider Skalen stimmten im Wesentlichen überein.

Schlussfolgerungen

Stillen während einer Venenpunktion und die Verabreichung einer Glukoselösung mit anschliessendem Saugen am Schnuller vermindern die Schmerzreaktion von Neugeborenen bei Blutentnahmen in ähnlichem Mass.

Es ist heute unbestritten, dass Neugeborene ebenso unter Schmerzen leiden wie ältere Kinder und Erwachsene. Ebenfalls gesichert ist, dass mit Zucker oder einem künstlichen Süssstoff die Schmerzreaktion bei kapillären oder venösen Blutentnahmen bei Neugeborenen gedämpft werden kann. Zucker als Beruhigungsmittel ist allerdings problematisch, weil dieser bei einer Fruktoseintoleranz eine negative Reaktion auslösen kann und später der Karies Vorschub leistet. Das Stillen ist eine sinnvolle Alternative zur Schmerzbekämpfung bei Blutentnahmen; ob dabei die Milch analgetisch wirkt oder das Kind einfach durch das Saugen abgelenkt wird, ist unwichtig.

Hans-Ulrich Bucher

 

Standpunkte und Meinungen

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Stillen gegen Schmerzen (April 2003)
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