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Heroinabgabe manchmal sinnvoll

r -- van den Brink W, Hendriks VM, Blanken P et al. Medical prescription of heroin to treatment resistant heroin addicts: two randomised controlled trials. BMJ 2003 (9. August); 327: 310-2 [Link]
Kommentiert von: André Seidenberg
infomed screen Jahrgang 7 (2003) , Nummer 11
Datum der Ausgabe: November 2003

Studienziele

In der Schweiz wurde in einer Studie bei Heroinabhängigen eine Besserung der körperlichen und psychischen Gesundheit und der sozialen Integration erreicht, wenn ihnen Heroin abgegeben und psychosoziale Therapien angeboten wurden. Es gab aber keine Kontrollgruppe. In diesen 2 niederländischen Studien untersuchte man, wie sich die Verschreibung von Heroin zusätzlich zu Methadon auswirkt.

Methoden

In die Studien aufgenommen wurden Heroinabhängige, die trotz Methadon-Abgabe weiter Heroin konsumierten und sozial schlecht integriert waren. Je nachdem, wie sie Heroin vorwiegend einnahmen, wurden sie in eine Heroin-Inhalationsstudie (n=375) oder in eine Heroin-Injektionsstudie (n=174) aufgenommen. In beiden Studien bekamen die Kontrollgruppen weiter Methadon (max. 150 mg/Tag), die Interventionsgruppen zusätzlich Heroin für 12 Monate (bis maximal 1’000 mg/Tag). Eine Besserung von mindestens 40% im Bereiche der körperlichen, psychischen oder sozialen Gesundheit wurde als Therapieerfolg definiert.

Ergebnisse

Durchschnittlich nahmen die Teilnehmenden in den Interventionsgruppen 548 mg Heroin pro Tag ein. Die Methadondosis betrug in den Kontrollgruppen 67-71 mg/Tag gegenüber 57-60 mg/Tag in den Interventionsgruppen. Ein Therapieerfolg war in den Gruppen mit Heroinabgabe signifikant häufiger zu beobachten als in den Kontrollgruppen (50 bis 56% gegenüber 27% bis 31%; NNT = 4). Schwere Zwischenfälle waren in allen Gruppen ähnlich häufig und betrafen 7% bis 12% der Untersuchten. Die während der Behandlungszeit erreichten Verbesserungen verschwanden bei 82% der Teilnehmenden innerhalb von 2 Monaten nach Beendigung der Behandlung.

Schlussfolgerungen

Bei Heroinabhängigen, die von der Methadonabgabe ungenügend profitieren, kann mit einer kontrollierten Heroinabgabe eine Verbesserung ihres körperlichen, psychischen oder sozialen Zustands erreicht werden.

Die niederländischen Heroinversuche bestätigen die Schweizer Erfahrungen und ergänzen sie. Die Heroin- Abgabe in injizierbarer oder rauchbarer Form erzielt bei marginalisierten Opioidabhängigen, welche mit Methadon schlecht behandelbar waren, erhebliche Verbesserungen. Diese Verbesserungen werden ohne zusätzliche Psychotherapie und Betreuung erreicht. Obwohl die Machbarkeit und Erfolgsaussichten der Heroinverschreibung gut belegt sind, wird der Markt für Heroin immer noch fast ausschliesslich von Mafia, Polizei und Justiz gestaltet. Eine flächendeckende Heroinabgabe, die der Nachfrage genügt, wird noch lange auf sich warten lassen. Gewisse Eigenheiten von Heroin erschweren zwar eine einfache Verschreibung, wie wir sie beispielsweise mit Methadon praktizieren, diese Schwierigkeiten lassen sich aber überwinden.

André Seidenberg

 

Standpunkte und Meinungen

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Heroinabgabe manchmal sinnvoll (November 2003)
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