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Grippeimpfung bei Personen über 65 sinnvoll

k -- Voordouw BC, van der Linden PD, Simonian S et al. Influenza vaccination in community-dwelling elderly: impact on mortality and influenza-associated morbidity. Arch Intern Med 2003 (12. Mai); 163: 1089-94 [Link]
Kommentiert von: Andreas E. Stuck
infomed screen Jahrgang 7 (2003) , Nummer 8
Datum der Ausgabe: August 2003

Studienziele

Die Empfehlungen zur jährlichen Grippeimpfung fussen auf Studien, die die Grippe-bedingte Morbidität und Mortalität in Spitälern untersuchten. Mit dieser Kohortenstudie sollte der Nutzen von Grippe-Impfprogrammen bei älteren Leuten, die nicht in einem Heim leben, untersucht werden.

Methoden

Anhand der holländischen «Primary-Care»-Datenbank wurden Personen über 65 Jahren identifiziert, die in einer Allgemeinpraxis registriert waren. Diejenigen, welche im Herbst 1996 eine Grippeimpfung erhalten hatten, wurden in einer Kohorte zusammengefasst und für jede Person wurde eine nach Alter und Geschlecht passende Person der Kontrollgruppe zugeteilt. Verglichen wurden die Gesamtmortalität sowie die Häufigkeit von Pneumonien und dokumentierten Grippeinfektionen während der folgenden 6 Monate.

Ergebnisse

Die Gruppe mit Grippeimpfung umfasste 8'911 Personen. In dieser Gruppe hatte es mehr Patientinnen und Patienten mit vorbestehenden respiratorischen oder kardiovaskulären Krankheiten oder mit Krebs als in der gleich grossen Kontrollgruppe. Die Halbjahresmortalität war bei den Geimpften um 12% kleiner. Berücksichtigt man Alter und vorbestehende Erkrankungen, so ergibt sich ein statistisch signifikanter Unterschied (Reduktion des relativen Risikos um 24%, NNT von 400). Betrachtet man die Personen mit bekannten Grunderkrankungen separat, so errechnet sich eine Risikoreduktion um 33% (NNT von 170). Dokumentierte Grippeinfektionen waren bei den Geimpften nur etwa halb so häufig. In Bezug auf Pneumonien fand sich kein signifikanter Unterschied.

Schlussfolgerungen

In dieser retrospektiven Kohortenstudie bei älteren Personen, die nicht in einem Heim leben, war eine Grippeimpfung mit einer geringeren Mortalität und weniger Grippeerkrankungen in den folgenden sechs Monaten assoziiert.

Aus ethischen Gründen können keine randomisierten Studien zur Wirksamkeit der Grippeimpfung im Alter durchgeführt werden. Die vorliegende niederländische Kohortenstudie war möglich dank der Existenz eines nationalen, auf hausärztlichen Informationen basierenden Datenregisters. Das Resultat stützt die geltenden Empfehlungen: Die Grippeimpfung führt bei über 65jährigen Personen zu einer Reduktion der Morbidität und Mortalität. Interessant ist, dass vor allem jüngere Betagte und Männer von der Impfung profitierten.

Andreas Stuck

 

Standpunkte und Meinungen

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