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Erythema migrans: eine 10tägige Behandlung reicht

r -- Wormser GP, Ramanathan R, Nowakowski J et al. Duration of antibiotic therapy for early Lyme disease: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Ann Intern Med 2003 (6. Mai); 138: 697-704 [Link]
Kommentiert von: Norbert Satz
infomed screen Jahrgang 7 (2003) , Nummer 8
Datum der Ausgabe: August 2003

Studienziele

Die optimale Behandlungsdauer für Personen mit einem Erythema migrans, der häufigsten Erstmanifestation der Lyme-Borreliose, ist unbekannt. Ebenfalls unklar ist, ob es sinnvoll ist, die Behandlung initial mit einem liquorgängigen Antibiotikum wie Ceftriaxon (Rocephin®) zu ergänzen, da Borrelien schon in der Frühphase ins ZNS gelangen können

Methoden

180 Personen mit einem Erythema migrans wurden in einer amerikanischen Poliklinik in diese Studie aufgenommen. Nach dem Zufall erhielten sie entweder Doxycyclin (z.B. Vibramycin®) 2mal 100 mg täglich während 20 Tagen, während 10 Tagen oder während 10 Tagen nach einer einmaligen Dosis von 2 g Ceftriaxon i.v. Primärer Endpunkt war die vollständige Heilung, definiert als Abheilen des Erythems und Erreichen des vorherigen Gesundheitszustandes bis 30 Monate nach der Behandlung. Sekundäre Endpunkte waren spätere Manifestationen einer Lyme-Borreliose.

Ergebnisse

Nach 20 Tagen, 3, 12 und 30 Monaten wurden keine signifikanten Unterschiede zwischen den verschiedenen Gruppen festgestellt. Nach 30 Monaten waren 84% vollständig geheilt in der Gruppe mit 20tägiger Behandlung, 90% in der Gruppe mit 10tägiger Therapie und 87% in der Kombinationsgruppe. Bei einer einzigen Person versagte die Therapie: 8 Tage nach Abschluss der 10tägigen Doxycyclin-Therapie trat eine Borrelien-Meningitis auf. Alle 3 Therapien wurden gut toleriert, wobei unter der Kombinationstherapie signifikant häufiger Durchfall auftrat.

Schlussfolgerungen

Bei einem Erythema migrans ist eine 10tägige Behandlung mit Doxycyclin einer 20tägigen Behandlung und einer Kombination von Doxycyclin mit Ceftriaxon bezüglich Heilungsraten ebenbürtig. Letztere Behandlung verursacht häufiger Durchfall.

Das Erythema migrans heilt mit oder ohne Antibiotika. Sinn der Antibiose ist aber, eine schnellere Heilung zu erzielen, um Spätfolgen zu verhindern. Wenn mit der Studie gezeigt wird, dass zur Elimination des Erythema migrans auch eine 10tägige Therapiedauer mit einem oral verabreichten Antibiotikum genügt, so werden die schon 1983 in der gleichen Zeitschrift und seither wiederholt publizierten Fakten bestätigt.1 Erstaunlich ist hingegen, dass kein Therapieregime den hohen Prozentsatz (ungefähr 13%) des Post-Lymesyndroms zu reduzieren vermag. Die brennendste Frage wäre: an welchen Beschwerden leiden die nur teilweise Geheilten nach 30 Monaten noch? Darüber aber schweigen die Studienverantwortlichen.

Norbert Satz


    Steere AC, Hutchinson GJ, Rahn DW et al. Treatment of the early manifestations of Lyme disease. Ann Intern Med 1983; 99: 22-6

 

Standpunkte und Meinungen

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