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Elektroschock bei schwerer Depression wirksam

m -- Geddes J. Efficacy and safety of electroconvulsive therapy in depressive disorders:a systematic review and meta-analysis. The UK ECT Review Group. Lancet 2003 (8. März); 361: 799-808 [Link]
Kommentiert von: Thomas E. Schläpfer
infomed screen Jahrgang 7 (2003) , Nummer 5
Datum der Ausgabe: Mai 2003

Studienziele

Die Meinungen über die Elektrokrampftherapie (EKT) von depressiven Störungen divergieren stark: von «unwirksam und schädlich» bis «beste psychiatrische Therapie und völlig sicher». Diese Unsicherheit soll durch vorliegende Metaanalyse beseitigt werden.

Methoden

In Datenbanken wurden randomisierte Studien über die Elektrokrampftherapie gesucht. Primärer Endpunkt war die Änderung auf der «Hamilton Depression Scale» im Anschluss nach einer EKT (nach 2-5 Wochen bzw. nach 6 Monaten, falls Daten vorhanden). Zusätzlich wurde nach den Auswirkungen auf die kognitive Funktion und auf die Mortalität geachtet.

Ergebnisse

Von 624 Studien erfüllten 73 die Einschlusskriterien. Die Mehrzahl der Studien war über 20 Jahre alt, klein und die Qualität der Dokumentation gering. Im Vergleich «durchgeführte EKT gegen simulierte EKT» (6 Studien) war die EKT insgesamt signifikant wirksamer. In 18 Studien war jeweils eine Vergleichsgruppe mit Antidepressiva behandelt worden. Im Kurzzeitvergleich (3-5 Wochen) war auch hier die EKT wirksamer. In einer Studie wurden aber häufiger Gedächtnisverluste beobachtet. Andere Studien verglichen verschiedene EKT-Protokolle miteinander. Zusammengefasst war eine bilaterale EKT wirksamer als eine unilaterale, bewirkte aber mehr kognitive Störungen. Häufigere Anwendungen (3mal wöchentlich) hatten keine bessere Wirkung auf die Depression als 1- bis 2mal wöchentliche. Die Mortalität war in 3 Studien nach einer EKT geringer als in den Kontrollgruppen, in einer Studie bestand kein Unterschied.

Schlussfolgerungen

Auf Grund der vorhandenen Studien ist eine Elektrokrampftherapie in der Behandlung von schweren Depressionen einer kurzen Behandlung mit Antidepressiva überlegen. Typische unerwünschte Wirkungen der EKT sind vorübergehende kognitive Störungen.

Elektroschock! – Wer denkt bei diesem Thema nicht an die Szene aus dem Film «One flew over the Cuckoo’s nest», in der Jack Nicholson «behandelt» wird: eine veraltete Therapieform der Psychiatrie. Die besprochene systematische Übersichtsarbeit zeigt überzeugend, dass nicht die Elektrokrampftherapie, sondern solche Ansichten veraltet sind. Die Elektrokrampftherapie ist eine Therapieform, die in der Akuttherapie der Depression wirksamer ist als Psychopharmaka und relativ wenige Nebenwirkungen hat. Wissenschaftlich ist sie nicht umstritten. Es ist klar, dass die Elektrokrampftherapie heute Platz im Therapieangebot der Psychiatrie hat.

Thomas E. Schläpfer

 

Standpunkte und Meinungen

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Elektroschock bei schwerer Depression wirksam (Mai 2003)
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