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Blutungen im Magendarm-Trakt durch Antidepressiva

k -- Oksbjerg Dalton S, Johansen C, Mellemkjaer L et al. Use of selective serotonin reuptake inhibitors and risk of upper gastrointestinal tract bleeding: a population-based cohort study. Arch Intern Med 2003 (13. Januar); 163: 59-64 [Link]
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infomed screen Jahrgang 7 (2003) , Nummer 4
Datum der Ausgabe: April 2003

Studienziele

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) werden seit mehr als 10 Jahren verschrieben und sind relativ gut verträglich. Auf Grund früherer Beobachtungen muss allerdings eine erhöhte Blutungsneigung durch diese Medikamente angenommen werden. In der vorliegenden Arbeit wurde das Risiko einer Blutung im oberen Gastrointestinaltrakt bei Therapie mit Antidepressiva in einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie untersucht.

Methoden

Die Untersuchung beruht auf einem Kollektiv von 490'000 Einwohnerinnen und Einwohnern der dänischen Region Nord-Jütland. Alle Personen, welche von 1991 bis 1995 Antidepressiva erhielten, wurden anhand einer pharmakoepidemiologischen Datenbank identifiziert. Die Häufigkeit von Hospitalisationen wegen einer Blutung im oberen Gastrointestinaltrakt wurde verglichen mit der Häufigkeit in der Gesamtbevölkerung unter Ausschluss von Personen, die bereits früher solche Blutungen erlitten hatten oder andere dafür prädisponierende Faktoren aufwiesen.

Ergebnisse

26'005 Personen mit antidepressiver Therapie konnten in die Untersuchung einbezogen werden. Während einer Behandlung mit SSRI (wozu auch Clomipramin = Anafranil® gezählt wurde) wurden 55 Blutungen im oberen Gastrointestinaltrakt beobachtet, was einem relativen Risiko von 3,6 entspricht (aufgrund des Vergleichskollektivs wären nur 15 Fälle zu erwarten gewesen). Bei zusätzlicher Einnahme von nicht-steroidalen Antirheumatika stieg das relative Risiko auf 12,2, unter niedrigdosierter Acetylsalicylsäure auf 5,2. Für nicht-selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (vor allem trizyklische Antidepressiva) betrug das relative Risiko 2,3. Für Antidepressiva ohne serotoninerge Wirkung war das Risiko nicht erhöht. Nach Absetzen der Antidepressiva war war ebenfalls kein erhöhtes Risiko für eine Blutung im oberen Gastrointestinaltrakt mehr nachweisbar.

Schlussfolgerungen

Die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, aber auch ältere Antidepressiva mit serotoninerger Wirkung erhöhen das Risiko für eine Blutung im oberen Gastrointestinaltrakt. Der Effekt wird durch den gleichzeitigen Gebrauch von nicht-steroidalen Antirheumatika verstärkt.

Die in dieser Kohortenstudie aufgezeigte Assoziation von erhöhtem Auftreten einer zu Hospitalisationen führenden Blutung aus dem oberen Gastrointestinaltrakt und der Einnahme von SSRI sowohl alleine als auch in Kombination mit nicht-steroidalen Antirheumatika oder niedrig dosierter Acetylsalicylsäure bestätigt frühere Hinweise auf eine mögliche Beeinflussung der Gerinnungskaskade durch diese Stoffgruppe. Die Blutungsquellen werden in dieser Studie nicht erhoben, und somit bleibt die Pathogenese dieser Blutungen unklar. Praktischer Schluss aus dieser Arbeit: Nach Möglichkeit sollten SSRI nicht mit Antirheumatika oder Acetylsalicylsäure kombiniert werden.

Max Giger

 

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Blutungen im Magendarm-Trakt durch Antidepressiva (April 2003)
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