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Alternativmedizin bei Reizdarm: fraglicher Nutzen

m -- Spanier JA, Howden CW, Jones MP. A systematic review of alternative therapies in the irritable bowel syndrome. Arch Intern Med 2003 (10. Februar); 163: 265-74 [Link]
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infomed screen Jahrgang 7 (2003) , Nummer 5
Datum der Ausgabe: Mai 2003

Studienziele

In den USA wird die Häufigkeit eines Reizdarms mit 14% bis 24% bei Frauen und mit 5% bis 19% bei Männern angegeben. Bis zur Hälfte der Betroffenen greift mindestens einmal zu alternativmedizinischen Mitteln. Diese Arbeit fasst die vorhandenen Studien zum Thema Colon irritabile und Alternativmedizin zusammen.

Methoden

Die MEDLINE-Datenbank wurde nach englischsprachigen Publikationen von klinischen Studien zum Thema durchsucht. Eine Verbesserung der Symptomatik wurde definiert als eine Abnahme der Symptome um mindestens 50% (gemessen an Scores). Berücksichtigt wurden traditionelle chinesische Medizin, Behandlungen mit Ingwer, Aloë, Pfefferminzöl, Probiotika, Psychotherapien und verschiedenen Diäten.

Ergebnisse

Nur wenige randomisierte Studien über alternativmedizinische Therapien bei Colon irritabile waren auffindbar. So fand sich beispielsweise nur eine einzige placebokontrollierte Studie bei 106 Personen mit Colon irritabile, die mit individuell ausgewählten chinesischen Kräutermischungen durchgeführt wurde. Sie zeigte eine stärkere Besserung der Verdauungsbeschwerden nach 16 Wochen. Mehrere kleinere, meist offen geführte Studien zeigten einen Nutzen von Hypnose, Verhaltens- und anderen Psychotherapien. Aufgrund ungenügender Daten konnte keine Aussage gemacht werden über die Wirksamkeit von Ingwer, Aloë, Pfefferminzöl, Probiotika, Quellmitteln und verschiedenen Diäten.

Schlussfolgerungen

Die Datenlage erlaubt kaum Rückschlüsse auf die Wirksamkeit von alternativmedizinischen Therapien beim Reizdarmsyndrom. Am besten dokumentiert sind noch Kräutermischungen der traditionellen chinesischen Medizin und Psychotherapien, aber auch hier sind weitere Untersuchungen nötig.

Das «Irritable Bowel Syndrome» (IBS) umfasst chronisch- rezidivierende Abdominalsymptome, für welche (noch) keine pathophysiologische Erklärungen existieren. Da die «Natural History» nicht richtig bekannt ist, sind Studien zur Therapie schwierig durchzuführen. Sie müssten sich über mehr als 3 Monate erstrecken und Nachkontrollen nach 3 und 6 Monaten beinhalten. Die Prävalenz des IBS ist in Europa tiefer als in den zitierten US-amerikanischen und australischen Studien, sie beträgt in Frankreich 4%.1 Auf Grund der hier präsentierten Analyse schliesse ich einmal mehr, dass bei einem IBS nach einer gründlichen Ernährungs- Anamneseerhebung als erstes unverträgliche Nahrungsmittel weggelassen werden müssen. Psychotherapie, Probiotika, Pfefferminzöl und Phytotherapeutika erfüllen die Kriterien einer evidenz-basierten rationalen Therapie nicht und sind somit nicht einzusetzen.

Max Giger

1 Bommelaer G, Dorval E, Denis P et al. Prevalence of irritable bowel syndrome in the French population according to the Rome I criteria. Gastroenterol Clin Biol 2002; 26: 1118-23

 

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Alternativmedizin bei Reizdarm: fraglicher Nutzen (Mai 2003)
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