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Was bringt die Papillomavirus-Impfung?

f -- Kim J, Bell C, Sun M et al. Effect of human papillomavirus vaccination on cervical cancer screening in Alberta. CMAJ 2016 (6. September); 188: E281-8 [Link]
Zusammengefasst von: Anne Witschi
infomed screen Jahrgang 20 (2016) , Nummer 6
Datum der Ausgabe: November 2016

In der kanadischen Provinz Alberta wurde 2008 ein schulbasiertes Impfprogramm gegen humane Papillomaviren (HPV) bei zehn- bis elfjährigen Mädchen eingeführt. Ab 2009 wurden auch 14-15-jährige Mädchen und ab 2014 auch Knaben geimpft. Zusätzlich wird allen Frauen ab 21 Jahren ein regelmässiges Screening mittels Zervikalabstrichs (PAP-Abstrich) empfohlen. Anhand der vorliegenden Studie sollten die Auswirkungen dieses HPV-Impfprogrammes untersucht werden. Dafür wurden die Daten von Frauen der Jahrgänge 1994-1997, die im Rahmen des Impfprogramms erfasst wurden und bei denen zwischen 2012 und 2015 mindestens ein PAP-Abstrich abgenommen wurde, im Rahmen einer Fall-Kontroll-Studie ausgewertet. Frauen mit Zellveränderung im PAP-Abstrich galten dabei als Fälle, solche mit einem unauffälligen Abstrich als Kontrollen.

Von 10‘204 untersuchten Frauen waren 4‘492 (44%) nie und 5‘712 (56%) mindestens einmal geimpft worden. 84% der Geimpften hatten alle drei Impfungen erhalten. Bei 1‘481 Frauen wurde eine Zellveränderung des Gebärmutterhalsepithels gefunden, 918 (62%) davon hatten keine Impfung und 433 (29%) alle drei Impfungen erhalten. Die meisten Zellveränderungen wiesen einen niedrigen Dysplasiegrad auf, nur bei 6,5% handelte es sich hochgradige Dysplasien. Bei den vollständig geimpften Frauen war das Risiko für eine Zellveränderung um 28% geringer als bei Frauen, die gar nicht geimpft wurden (Impfwirksamkeit von 28%). Für eine nur teilweise durchgeführte Impfung hingegen konnte kein Schutz von Zellveränderungen insgesamt nachgewiesen werden. Wenn hingegen Frauen mit hochgradiger Dysplasie mit allen anderen (solchen ohne oder mit nur niedriggradigen Zellveränderungen) verglichen wurden, zeigte sich für eine teilweise durchgeführte Impfung eine Schutzwirkung von 46% und für eine vollständige Impfung eine von 50%. Der soziale Status hatte keinen Einfluss auf das Auftreten von Zellveränderungen. Eine interessante Zusatzbeobachtung war, dass geimpfte Frauen häufiger am Screening mittels PAP-Abstrich teilnahmen als nicht geimpfte.

Die Resultate dieser Studie sind erfreulich. Dennoch gibt es Potential für eine noch bessere Prävention, sowohl bei der Impfung (Erhöhung der Impfrate, mehr vollständig durchgeführte Impfungen) als auch beim Screening. Wie gut die Durchimpfung der jungen Schweizer Bevölkerung ist, und wie wirksam die Impfung bei uns ist (dies hängt von der Prävalenz der verschiedenen HPV-Typen ab), wird eine bis 2016 an der Universität Bern laufende Studie (CIN3+plus Studie) zeigen. Von Interesse wird auch sein, wie häufig das Screening mittels Zervikalabstrich durchgeführt wird. Insbesondere, ob sich Impfgegnerinnen in der Schweiz häufiger oder seltener einem regelmässigen Screening unterziehen. Gebärmutterhalskrebs ist in der Schweiz bei Frauen zwischen 20 und 49 Jahren die fünfthäufigste Krebsart. In unserem Land werden jährlich ungefähr 250 neue Fälle von Gebärmutterhalskrebs und etwa 5000 Krebsvorstufen diagnostiziert.(1)

Zusammengefasst und kommentiert von Anne Witschi

1 Vgl. Homepage des BAG zum Thema «Humane Papillomaviren»: goo.gl/m83jZp

 

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