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Mehr Verkehrsunfälle nach Synkope

k -- Numé AK, Gilason G, Christiansen CB et al. Syncope and motor vehicle crash risk: a danish nationwide study. JAMA Intern Med 2016 (1. April); 176: 503-10 [Link]
Zusammengefasst von: Markus Gnädinger
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infomed screen Jahrgang 20 (2016) , Nummer 4
Datum der Ausgabe: Juli 2016

Studienziele

Ein Drittel aller Menschen erleidet mindestens einmal im Leben eine Synkope, definiert durch plötzlichen Bewusstseinsverlust mit anschliessender vollständiger Erholung. Bei wiederum einem Drittel dieser Personen tritt innert drei Jahren ein erneutes Ereignis auf. Aus diesem Grund wird vermutet, dass nach einer Synkope ein erhöhtes Risiko für Verkehrsunfälle besteht. Ob dies zutrifft, wurde in einer auf Daten der gesamten Bevölkerung basierenden Studie aus Dänemark untersucht.

Methoden

Mittels einer persönlichen Identifikationsnummer, welche in Dänemark jede Person bei Geburt erhält, können die Daten aus verschiedenen nationalen Datenbanken verknüpft werden, für diese Studie beispielsweise Spitaldaten mit Diagnosecodes, Unfallregister, Todesfallregister u.a. Von 2008 bis 2012 wurden alle Erwachsenen erfasst und hinsichtlich Verkehrsunfälle mit denjenigen Personen verglichen, die während dieser Zeit aufgrund einer Synkope hospitalisiert oder auf einer Notfallstation untersucht worden waren.

Ergebnisse

Von über 4 Millionen dänischen Erwachsenen erlitten 41'039 eine Synkope. Personen mit Synkope waren im Schnitt älter, hatten häufiger Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes und konsumierten mehr Alkohol oder Psychopharmaka. Bei den Personen, welche eine Synkope erlitten hatten, ereigneten sich während der Nachbeobachtungszeit von median zwei Jahren insgesamt 1'791 Verkehrsunfälle, was 20,6 Unfällen pro 1'000 Personenjahren entsprach. In der Gesamtbevölkerung waren es 12,1 Unfälle pro 1'000 Personenjahre. Auch nach Korrektur für verschiedene Störfaktoren (Geschlecht, Alter, vorbestehende Erkrankungen, sozioökonomische Faktoren u.a.) blieb das Risiko für einen Verkehrsunfall nach Synkope erhöht («Risk Ratio», RR 1,83 (95% CI 1,74-1,91). Das Risiko war bei Männern insgesamt höher als bei Frauen und nahm mit dem Alter zu, während es bei Frauen mit dem Alter abnahm. Das Risiko für einen Verkehrsunfall nach Synkope blieb über die ganze Nachbeobachtungszeit (median 5 Jahre für die Gesamtbevölkerung) gleichermassen erhöht.

Schlussfolgerungen

Nach einer Synkope besteht im Vergleich mit der Gesamtbevölkerung ein etwa doppeltes Risiko für einen Verkehrsunfall. Das absolute Risiko ist allerdings verhältnismässig gering.

Zusammengefasst von Markus Gnädinger

Die Studie imponiert mit sehr grossen Untersuchungszahlen und zeigt eindrücklich auf, dass Personen mit stattgehabten Synkopen unter Umständen ein bedeutsames Risiko im Strassenverkehr darstellen, und dies für eine längere Zeitdauer. Das muss uns vor Augen führen, dass bei Personen mit einem Synkopen-Ereignis stets auch die Fahreignung evaluiert werden sollte. Für die tägliche Praxis taugt die Studie mit ihrer sehr beschränkten und allgemein gehaltenen Aussagekraft allerdings wenig, da sie keine Angaben macht über das Risiko in Bezug auf die verschiedenen Ursachen einer Synkope. Situative neurokardiogene (vasovagale) Synkopen mit vermeidbarem Auslöser oder orthostatisch bedingte Synkopen sind bezüglich der weiteren Fahreignung unproblematisch, während beispielsweise Ereignisse aus dem Sitzen heraus oder Synkopen mit völlig unbekannter Ursache verkehrsmedizinische Problemfälle darstellen, bei denen möglicherweise eine spezifische verkehrsmedizinische Abklärung angezeigt ist.

Aktuell befasst sich eine Arbeitsgruppe der SGK (Schweiz. Gesellschaft für Kardiologie) und der SGRM (Schweiz. Gesellschaft für Rechtsmedizin) mit der Thematik mit dem Ziel, Richtlinien für das praktische Vorgehen bezüglich Fahreignung u.a. auch bei Synkopen zu erarbeiten.

Rolf Seeger

 

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