Pertussis-Impfung bei Schwangeren verträglich und wirksam

  • k -- Donegan K, King B, Bryan P. Safety of pertussis vaccination in pregnant women in UK: observational study. BMJ 2014 (11. Juli); 349: g4219 [Link]
  • Zusammengefasst von: Markus Gnädinger
  • Kommentiert von: Ulrich Heiniger
  • infomed screen Jahrgang 18 (2014) , Nummer 6
    Datum der Ausgabe: November 2014


Studienziele

In den Jahren 2011/12 wurde in Grossbritannien ein aussergewöhnlicher Ausbruch von Keuchhusten beobachtet, zuerst vor allem bei Erwachsenen, später aber auch in der Gruppe der besonders gefährdeten Säuglinge unter drei Monaten. Aus diesem Grund beschloss das «Joint Committee on Vaccination and Immunisation», eine Impfkampagne bei Schwangeren zu lancieren, um die Neugeborenen durch materno-fetale Immunität (passiv) und verminderte Exposition zu schützen. In der Arbeit von Donegan et al. wurde die Verträglichkeit, in derjenigen von Amirthalingam et al. die Wirksamkeit dieser Impfkampagne wissenschaftlich evaluiert.

Methoden

Die Daten für beide Studien stammten aus dem «Clincal Practice Research Datalink» (CPRD), einer für die Gesamtbevölkerung repräsentativen Sammlung von Daten, die in britischen Allgemeinpraxen systematisch erfasst werden. Im Rahmen der Impfkampagne wurde der Impfstoff Repevax® verwendet, ein kombinierter Impfstoff für Erwachsene, der neben einem azellulären Pertussis-Impfstoff auch Diphtherie, Tetanus und Poliomyelitis abdeckt. Die meisten Schwangeren waren im dritten Trimenon in einer Allgemeinpraxis geimpft worden. Bezüglich Verträglichkeit wurde unter anderem das Auftreten von Fehl- und Frühgeburten, neonatalen Todesfällen und das Geburtsgewicht untersucht. Verglichen wurde mit den historischen nationalen Daten und einer passenden Gruppe von ungeimpften Frauen aus einer historischen Kohorte. Die Abschätzung der Schutzwirkung erfolgte durch die Bestimmung des Impfstatus der Mütter aller nachgewiesenen Pertussis-Fälle bzw. der Säuglinge unter drei Monaten, die wegen eines Keuchhustens hospitalisiert worden waren. Die Durchimpfungsrate bei den Frauen wurde aufgrund der Daten des CPRD abgeschätzt.

Ergebnisse

Für die Impfverträglichkeitsstudie standen die Daten von 20'074 Frauen (medianes Alter 30 Jahre) zur Verfügung, die in den ersten sechs Monaten der Kampagne geimpft worden waren. Es fanden sich keine Anhaltspunkte für vermehrte Schwangerschaftskomplikationen, weder im Vergleich mit den nationalen Komplikationsraten noch im Vergleich mit einer Gruppe von ungeimpften Frauen aus einer historischen Kohorte, die bezüglich Alter und Schwangerschaftsdauer mit den geimpften Frauen vergleichbar waren.

Für die Impfwirksamkeitsstudie standen die Daten von 26'684 Frauen zur Verfügung. Die Impfbeteiligung betrug anfangs 78% und pendelte sich im Verlauf bei etwa 60% ein. Insgesamt waren 64% der Schwangeren vor der Entbindung geimpft worden. Im Oktober 2012, einem Monat nach Start der Impfkampagne wurde das Maximum der Pertussisepidemie erreicht, danach nahmen die Fälle in allen Altersgruppen ab. In den ersten 9 Monaten des Folgejahres ging bei den Säuglingen unter 3 Monaten die Zahl der bestätigten Pertussis-Fälle um etwa 75% zurück, während der Rückgang bei Kindern über 1 Jahr und Erwachsenen nur etwa 30% betrug. Bei den Hospitalisationen zeigte sich ein ähnliches Bild. Einzig in der Altersgruppe unter 3 Monaten ging das Pertussis-Risiko sogar unter die Schwelle von 2011 zurück. Falls die Mütter mindestens 7 Tage vor der Niederkunft geimpft worden waren, betrug die Effektivität zum Schutz der Neugeborenen über 90%.

Schlussfolgerungen

Die Studienverantwortlichen schliessen, dass die Impfung mit azellulärem Pertussis-Impfstoff im dritten Trimenon gut verträglich sei, wirksam Neugeborene vor Pertussis-Infektionen schütze und Hospitalisationen wegen Keuchhusten verhindere.

Zusammengefasst von Markus Gnädinger

Seit Anfang 2013 empfiehlt die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) schwangeren Frauen in der Schweiz, sich im zweiten oder dritten Trimenon mit einer Dosis eines kombinierten Impfstoffs gegen Diphtherie, Tetanus und Pertussis (z.B. Boostrix®) impfen zu lassen, wenn die letzte Pertussisimpfung bzw. eine serologisch bestätigte Keuchhusten­erkrankung fünf Jahre oder länger zurückliegen. Damit soll in erster Linie der junge Säugling vor der bedrohlichen Pertussis geschützt werden, ehe sein eigener Impfschutz aufgebaut ist. In der Fachinformation des Impfstoffs wird jedoch gewarnt, dass ausreichende Humandaten bezüglich der Anwendung in der Schwangerschaft nicht verfügbar seien. Die Arbeit von Donegan et al. unterstreicht nun die Sicherheit dieser Impfung in der Schwangerschaft und Amirthalingam et al. belegen erstmals deren Effizienz für den Pertussisschutz von Neugeborenen und jungen Säuglingen. Dieser Impfempfehlung ist nun endlich eine breitere Anwendung bei schwangeren Frauen zu wünschen.

Ulrich Heininger

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Pertussis-Impfung bei Schwangeren verträglich und wirksam (November 2014)