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Schwangere mit Thromboseverdacht und normaler Venensonographie: nur überwachen

k -- Chan WS, Spencer FA, Lee AY et al. Safety of withholding anticoagulation in pregnant women with suspected deep vein thrombosis following negative serial compression ultrasound and iliac vein imaging. CMAJ 2013 (5. März); 185: E 194-200 [Link]
Zusammengefasst von: Anne Witschi
infomed screen Jahrgang 17 (2013) , Nummer 3
Datum der Ausgabe: Juni 2013

Bei Verdacht auf eine Thrombose der unteren Extremitäten ist die Sonographie (Kompressions- oder Duplexsonographie) die Diagnostikmethode der Wahl. 97% der Femoral- und Popliteal-Venenthrombosen und 20% der Wadenthrombosen werden so entdeckt. Bei initial negativem Ultraschallbefund wird deshalb empfohlen, vorerst nicht zu antikoagulieren, sondern die Untersuchung während sieben Tagen mehrmals zu wiederholen. Da diese Empfehlungen auf Untersuchungen mit Männern und nicht-schwangeren Frauen basieren, wollte man mit der vorliegenden prospektiven Studie herausfinden, ob die Empfehlung auch für Schwangere gilt.

Von 2002 bis 2010 wurden in vier kanadischen Zentren 221 sonst gesunde schwangere Frauen mit dem klinischen Verdacht auf eine tiefe Venenthrombose rekrutiert und mittels Kompressionssonographie untersucht. Die Diagnose einer tiefen Venenthrombose konnte bei 16 Frauen (7%) durch den ersten Kompressionsultraschall bestätigt werden. Alle betroffenen Frauen hatten eine Thrombose der tiefen Femoral- und/oder Iliacalvene, nur zweimal waren die Wadenvenen mitbetroffen. Die restlichen 205 Frauen (93%) wurden innerhalb einer Woche noch zweimal sonographisch und danach klinisch nachkontrolliert. Davon erlitt nur eine Patientin sieben Wochen nach der Erstuntersuchung und kurz nach einem Abort eine Thrombose und eine Lungenembolie. Die Sensitivität für die Kompressionssonographie als diagnostische Methode bei vermuteter tiefer Venenthrombose während der Schwangerschaft betrug 94% und der «negative predictive value» (NPV) 99,5%. Der NPV gibt die Wahrscheinlichkeit an, dass bei einem negativen Test (hier einer normalen Sonographie) die Diagnose (Venenthrombose) nicht zutrifft.

Eine Diagnostikmethode, die eine Verdachtsdiagnose – hier eine tiefe Bein- und/oder Beckenvenenthrombose bei Schwangeren – mit hoher Sensitivität bestätigt, sollte rasch als Standarduntersuchung eingeführt werden können. Dies gilt umso mehr, wenn diese Untersuchung wie hier nicht invasiv ist und eine potenziell gefährliche Therapie verhindert. In dieser Studie war die Anzahl Erkrankungen im Verhältnis zur Anzahl schwangerer Frauen mit der Verdachtsdiagnose eher gering, sodass der statistische Aussagewert möglicherweise nicht ausreicht, um eine abschliessende Empfehlung zu ermöglichen. Die Autorinnen und Autoren stellen jedoch zu Recht die Frage, ob angesichts dieser hohen Sensitivität wiederholte Ultraschalluntersuchungen bei initial negativem Befund noch angezeigt sind.

Zusammengefasst von Anne Witschi

 

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