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Papillomvirusinfekte bei jungen Frauen

a -- Ho GYF, Biermann R, Beardsley L et al. Natural history of cervicovaginal papillomavirus infection in young women. N Engl J Med 1998 (12. Februar); 338: 423-8 [Link]
Kommentiert von: René Rüdlinger
infomed screen Jahrgang 2 (1998) , Nummer 3
Datum der Ausgabe: März 1998

Studienziele

Eine genitale Infektion mit dem humanen Papillomvirus (HPV) ist bei sexuell aktiven jungen Frauen mit einer Prävalenz zwischen 25% und 46% weit verbreitet. In dieser Studie wurde die Inzidenz und Infektionsdauer einer HPV-Infektion sowie die Abhängigkeit von verschiedenen bekannten HPV-Risikofaktoren untersucht.

Methoden

608 Studentinnen einer amerikanischen Universität im Alter von 20 ± 3 Jahren waren bereit, sich während drei Jahren in halbjährlichen Abständen auf HPV untersuchen zu lassen. Bei jeder Untersuchung beantworteten die Studentinnen einen Fragebogen über Sexualverhalten und Lebensgewohnheiten wie Alkohol- und Nikotingenuss. Mittels zervikovaginaler Spülung wurden Proben für den HPV-Nachweis gewonnen. Pap-Abstriche erfolgten jährlich.

Ergebnisse

Bei 60% der Studentinnen wurde mindestens einmal während der Studiendauer eine Infektion nachgewiesen. Eingerechnet sind 26%, die bei Studienbeginn HPV-positiv waren. Die jährliche HPV-Inzidenz betrug 14%. Innerhalb dieses Kollektivs hatten die jüngeren Frauen häufiger HPV-Infektionen. Zudem erkrankten Studentinnen lateinamerikanischer und afrikanischer Herkunft häufiger an HPV. Die Infektionsrate stieg u.a. mit der Anzahl Sexualpartner, der Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs und allfälligem Alkoholkonsum, nicht aber mit dem Nikotinkonsum.

Ein besonders hohes Infektionsrisiko hatten Frauen, deren Partner mehrere Sexualpartnerinnen hatten. Die Infektion dauerte durchschnittlich 8 Monate. Über 6 Monate dauernde Infektionen waren meist bei älteren Studentinnen festzustellen. Oft waren dann «high-risk»-HPV oder mehrere HPV-Subtypen beteiligt, und häufiger zervikale Dysplasien nachweisbar.

Schlussfolgerungen

Sexuell aktive Frauen haben häufig eine HPV-Infektion. Das Infektionsrisiko wird von ihrem persönlichen Sexualverhalten und demjenigen ihrer Sexualpartner beeinflusst. In den meisten Fällen heilte die Infektion innerhalb von einigen Monaten spontan ab.

Zervikovaginale Infektionen mit HPV bei jüngeren Frauen sind häufig und heilen in einem hohen Prozentsatz innert 8 Monaten spontan ab. Praktische Implika-tionen: Nicht allein Virusbefunde (wie heute sehr häufig angeboten und durchgeführt), sondern klinische und zytologische Aspekte sind zu beachten.

Interessanterweise konnte – anders als in den meisten früheren Studien – nicht nachgewiesen werden, dass Raucherinnen besonders anfällig waren oder eine schlechtere Spontanheilung aufwiesen.

René Rüdlinger

 

Standpunkte und Meinungen

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Papillomvirusinfekte bei jungen Frauen (März 1998)
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