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Weniger Hüftfrakturen nach Kataraktoperation

k -- Tseng VL, Yu F, Lum F et al. Risk of fractures following cataract surgery in Medicare beneficiaries. JAMA 2012 (1.August); 308: 493-501 [Link]
Zusammengefasst von: Markus Häusermann
infomed screen Jahrgang 16 (2012) , Nummer 6
Datum der Ausgabe: Dezember 2012

Sehbehinderungen sind ein Risikofaktor für Stürze und Frakturen im Alter, und der graue Star (Katarakt) ist die mit Abstand häufigste Ursache für eine Visuseinschränkung im Alter. Die Studienverantwortlichen analysierten retrospektiv eine zufällig ausgewählte Kohorte von 5% aller bei der staatlichen amerikanischen Versicherung Medicare versicherten Personen mit Katarakt, die über 65 Jahre alt waren. Primärer Endpunkt war eine Hüftfraktur im Laufe eines Jahres nach einer Kataraktoperation bzw. nach der Diagnose einer Katarakt.

37% der erfassten über 1,1 Millionen Personen waren operiert worden. Sie waren mit einem Durchschnittsalter von 76 Jahren signifikant älter als die Nicht-Operierten mit durchschnittlich 73 Jahren und hatten mehr Begleitkrankheiten und Mobilitätseinschränkungen.

Insgesamt wurden während der Zeitspanne von einem Jahr bei 1,3% aller Untersuchten eine Hüftfraktur und bei 5,4% irgendeine Fraktur diagnostiziert. Nach statistischer Korrektur für Alter, Geschlecht, Ethnie, ophthalmologische und andere Begleiterkrankungen sowie für chronische Mobilitätseinschränkungen ereigneten sich bei den Operierten im ersten postoperativen Jahr 16% weniger Hüft- und 5% weniger andere Frakturen als bei den Nicht-Operierten (Unterschied signifikant). In der Untergruppe mit fortgeschrittener Katarakt betrug der Unterschied sogar 23%. Um eine Hüftfraktur zu verhindern, mussten 507 Katarakte operiert werden, für die Verhinderung einer beliebigen Fraktur (sekundärer Studienendpunkt) betrug diese „Number Needed to Treat“ (NNT) 422. Je älter und gebrechlicher die Personen waren, desto eher verhütete die Kataraktoperation eine Fraktur.

Das Resultat, dass eine Visusverbesserung das Sturzrisiko alter Menschen vermindert, ist plausibel, um nicht zu sagen banal. Man mag einwenden, dass es sich hier um eine retrospektive epidemiologische Studie handelt, mit der man einen kausalen Zusammenhang zwischen Kataraktoperation und vermindertem Sturzrisiko nicht beweisen kann. Die riesige Personenzahl von über einer Million und die sehr ausgeklügelte statistische Korrektur für andere Sturz-Risikofaktoren geben der Studie trotzdem Gewicht. Der NNT ist mit 507 für die Verhinderung einer Fraktur innerhalb eines Jahres aber hoch, so dass andere Massnahmen wie Eliminierung häuslicher Hindernisse, Gehhilfen und Fitnesstraining wohl noch wichtiger sind als Kataraktoperationen. Andererseits verbessert die Operation einer sehbehindernden Katarakt die Lebensqualität auf vielfältige Weise und wirkt sich auch auf die Kosten positiv aus, so dass in den USA ein durch diesen Eingriff gewonnenes qualitätskorrigiertes Lebensjahr (QALY) gemäss Kommentar der Autoren bloss 2'023 US-Dollar für das erste und 2'722 für das zweite Auge kostet.

Zusammengefasst von Markus Häusermann

 

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Weniger Hüftfrakturen nach Kataraktoperation (Dezember 2012)
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