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Malaria — auch in Europa daran denken!

k -- Checkley AM, Smith A, Smith V et al. Risk factors for mortality from imported falciparum malaria in the United Kingdom over 20 years: an observational study. BMJ 2012 (27. März); 344: e2116 [Link]
Zusammengefasst von: Renato L. Galeazzi
infomed screen Jahrgang 16 (2012) , Nummer 4
Datum der Ausgabe: Juli 2012

Malaria ist weltweit ein riesiges Gesundheitsproblem (etwa 250 Millionen Fälle pro Jahr mit 800'000 Toten), in der Schweiz hingegen ein vergleichsweise seltenes Problem bei Tropenrückkehrern (rund 175 Fälle pro Jahr mit zwei Toten). Da eine Malaria bei rechtzeitiger Behandlung immer heilbar ist, ist die wichtigste Massnahme, um Todesfälle zu vermeiden, die frühzeitige Diagnose. Wenn bekannt ist, wer das grösste Risiko hat, an der Krankheit zu sterben, kann dies helfen, die Letalität zu verringern. Ausserhalb der Endemiegebiete beträgt diese etwa 0,7%. Für die nationale Malaria-Datenbank Grossbritanniens werden nach einer Krankheitsmeldung zusätzliche Informationen über die mit Malaria Infizierten und die Todesfälle eingeholt. Anhand einer multiplen logistischen Regression konnten daraus die mit einer tödlich verlaufenden Infektion verknüpften Risikofaktoren analysiert werden.
Dabei zeigte sich, dass Infizierte im Alter von über 65 Jahren ein zehnmal höheres Sterberisiko aufwiesen als junge Erwachsene (18 bis 35 Jahre). Bei nicht in Endemiegebieten geborenen Personen war das Risiko 4,5-mal höher als bei solchen, welche dort geboren und dann ausgewandert waren. Bei Touristen war das Risiko achtmal höher als bei Reisenden, welche Verwandte oder Freunde besuchten. Besonders häufig verlief die Infektion tödlich, wenn sich die Betroffenen in Ostafrika oder Gambia (Westafrika) angesteckt hatten. Relevant war auch, wo in Grossbritannien die Betroffenen wohnten: In der Region, in der am seltensten eine Malaria diagnostiziert wurde, war das Sterberisiko fast 20-mal höher als in der Region mit dem häufigsten Vorkommen. Das Einnehmen einer wirksamen Prophylaxe führte nicht zu einem nachweisbaren Nutzen, jedoch war in Bezug auf diese Fragestellung die Datenqualität mangelhaft, so dass dazu keine eindeutige Aussage gemacht werden konnte.

Auch wenn in der Schweiz «nur» zwei Personen pro Jahr gerettet werden können, so ist die Botschaft doch wichtig: Ältere Leute, welche touristische Reisen in Endemiegebiete unternehmen, brauchen eine gute Beratung vor der Reise. Und bei Fieber nicht sofort geklärter Ursache muss stets nach vorgängigen Auslandaufenthalten gefragt werden. Da uns die Erfahrung mit dieser Krankheit weitgehend fehlt, ist ein systematisches Vorgehen äusserst wichtig.

Zusammengefasst von Renato L. Galeazzi

 

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