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Risikofaktoren für die meisten kardiovaskulären Ereignisse verantwortlich

a -- Berry JD, Dyer A, Cai X et al. Lifetime risks of cardiovascular disease. N Engl J Med 2012 (26. Januar); 366: 321-9 [Link]
Zusammengefasst von: Peter Ritzmann
infomed screen Jahrgang 16 (2012) , Nummer 3
Datum der Ausgabe: Juni 2012

In diversen Kohortenstudien seit den 60er-Jahren wurde die Bedeutung von verschiedenen Risikofaktoren für das Auftreten von kardiovaskulären Erkrankungen etabliert. Mit dieser Neu-Analyse der Daten von mehreren grossen Kohortenstudien wurde versucht zu berechnen, wie gross das Risiko für eine kardiovaskuläre Erkrankung in einem bestimmten Alter für das restliche Leben ist und zwar in Abhängigkeit vom Vorliegen von Risikofaktoren, aber auch in Abhängigkeit von Geschlecht, Hautfarbe und Geburtsjahrgang.

Die Daten stammen einerseits aus 17 Kohortenstudien mit 67'890 Teilnehmenden und aus dem «Multiple Risk Intervention Trial» (MRFIT), der wegen seiner Grösse (fast 190'000 Teilnehmende) separat ausgewertet wurde. Für 55-Jährige mit einem optimalen Risikoprofil (Blutdruck unter 120/80 mm Hg, Total-Cholesterin unter 4,7 mmol/l, Nichtraucher, kein Diabetes) fand sich ein sehr kleines Risiko, im weiteren Leben an einer kardiovaskuläre Erkrankung zu sterben. Dies galt sowohl für Frauen (6%) als auch für Männer (5%) und ohne wesentliche Abhängigkeit von Hautfarbe oder Generation. Allerdings wiesen nur etwa 3% der Untersuchten in diesem Alter ein so günstiges Risikoprofil auf, die Mehrheit hatte einen oder mehrere grössere Risikofaktoren. Bei mindestens zwei Risikofaktoren betrug das Lebenszeitrisiko, an einer kardiovaskulären Erkrankung zu sterben, 21% für Frauen und 30% für Männer. Personen, die später zur Welt gekommen sind, hatten ein deutlich kleineres Lebenszeit-Risiko mit 55 als frühere Gererationen, hauptsächlich aber, weil sie auch weniger Risikofaktoren auf sich vereinten.

Wir sind uns gewohnt, kardiovaskuläre Risiken anhand von 10-Jahresrisiken zu diskutieren. Diese Studie versucht (mit einem erheblichen Aufwand an Rechnerei), eine Sicht auf das Risiko für das ganze restliche Leben zu geben. Die vorliegenden Resultate sprechen dafür, dass die messbaren Risikofaktoren global betrachtet für eine klare Mehrheit aller kardiovaskulären Erkrankungen verantwortlich sind. Erstaunlich ist ausserdem, dass auf Grund der Resultate der Rückgang der kardiovaskulären Mortalität in den letzten Dekaden mehr der Abnahme von Risikofaktoren als dem Erfolg der medizinischen Behandlungen zuzuschreiben wäre. Die Resultate der Studie sind allerdings mit einer gewissen Vorsicht zu interpretieren, da den Berechnungen verschiedene Annahmen zugrundegelegt wurden und die Daten mehrheitlich aus dem amerikanischen Raum stammen, wo das kardiovaskuläre Risiko in der Regel bei vergleichbaren Risikofaktoren höher ist als bei einer mitteleuropäischen Bevölkerung.

Zusammengefasst von Peter Ritzmann

 

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