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Klassische Hüftprothesen nicht schlechter als neuere Modelle

m -- Sedrakyan A, Normand SL, Dabic S et al. Comparative assessment of implantable hip devices with different bearing surfaces: systematic appraisal of evidence. BMJ 2011 (29. November); 343: d7434 [Link]
Zusammengefasst von: Renato L. Galeazzi
infomed screen Jahrgang 16 (2012) , Nummer 2
Datum der Ausgabe: April 2012

Es werden immer mehr Hüftprothesen eingesetzt. Da Prothesen mit der klassischen Gleitpaarung Polyethylen/Metall eine durchschnittliche Lebensdauer von rund 12 Jahren aufweisen, müssen sie aber auch immer häufiger ausgewechselt werden. Besonders für Personen unter 65 Jahren wurde daher versucht, widerstandsfähigere Gleitpaarungen wie Metall/Metall oder Keramik/Keramik zu entwickeln. Noch ist jedoch nicht bewiesen, ob die neueren Materialkombinationen zu ähnlichen funktionellen Resultaten führen und ob tatsächlich weniger Prothesenwechsel durchgeführt werden müssen. Ein Forschungsteam aus den USA und Australien hat im Auftrag der amerikanischen «Food and Drug Administration» (FDA) – anhand einer Literaturrecherche und der Auswertung von Hüftprothesen-Registern – eine systematische Übersichtsarbeit zu diesen Fragen verfasst.

Es konnten 18 vergleichende Studien (randomisierte und Beobachtungsstudien) mit Daten zu rund 3'400 ersetzten Hüftgelenken, sowie 5 nationale und ein anderes Register (insgesamt mehr als 830'000 Prothesen umfassend) gefunden und in die Auswertung eingeschlossen werden. Wichtigstes Resultat war die relativ schlechte Qualität der vorhandenen Untersuchungen und die unterschiedliche Methodik der Register, was zu höchst unsicheren Schlussfolgerungen führte und die Auswertung der Daten als Meta-Analyse verunmöglichte. Die funktionellen Ergebnisse waren für die verschiedenen Mate­rial­paarungen vergleichbar, mit einem leichten Trend zu schlechteren Zweijahresergebnissen bei der Kombination Metall/Metall. Auch Revisionen waren bei dieser Kombination nicht seltener, gemäss den Daten von drei grossen Registern traten sie sogar häufiger auf. Auch für reine Keramikprothesen fanden sich keine Vorteile gegenüber solchen aus Metall/Polyethylen oder Keramik/Polyethylen.

Das Zulassungs-Prozedere für Medizinalprodukte, zu denen auch Hüftprothesen gehören, ist in der Schweiz, wie auch in der EU, viel weniger streng geregelt als dasjenige für Heilmittel. Dies führt zu einer oft allzu raschen, kritiklosen Anwendung neuer Produkte. Die damit verbundenen Versprechen scheinen die Zielgruppen zu überzeugen, ungeachtet der Tatsache, dass die Daten dazu häufig spärlich oder von schlechter Qualität sind. So scheint auch die Behauptung, die neueren Metall/Metall- oder Keramik/Keramik-Hüftprothesen seien besser als die klassische Kombination Metall/Polyethylen, nicht den Tatsachen zu entsprechen.

Zusammengefasst von Renato L. Galeazzi

 

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