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Helicobacter-Eradikation: bescheidener Nutzen bei funktioneller Dyspepsie

r -- Mazzoleni LE, Sander GB, Francesconi CF et al. Helicobacter pylori eradication in functional dyspepsia: HEROES trial. Arch Intern Med 2011 (28. November); 171: 1929-36 [Link]
Zusammengefasst von:
Kommentiert von: Hugo Schlauri
infomed screen Jahrgang 16 (2012) , Nummer 2
Datum der Ausgabe: April 2012

Studienziele

Die Daten zum Nutzen der Eradikation von Helicobacter pylori (HP) bei funktioneller Dyspepsie sind widersprüchlich und stammen zumeist aus Zentren der Tertiärversorgung. Deshalb sollte der Einfluss dieser Massnahme auf Symptome und Lebensqualität in der Praxis untersucht werden.

Methoden

404 Personen, welche über dyspeptische Beschwerden klagten und eine unauffällige Gastroskopie, aber einen positivem HP-Test aufwiesen, erhielten nach dem Zufall entweder eine HP-Eradikation mit Omeprazol (Antra® u.a.), Amoxicillin (Clamoxyl® u.a.) und Clarithromycin (Klacid® u.a.) über 10 Tage oder nur Omeprazol plus die entsprechenden Placebo-Tabletten. Eine Gastroskopie und ein HP-Test erfolgten bei Studieneinschluss und 12 Monate nach Behandlung. Als primärer Endpunkt wurde eine mindestens 50%ige Verbesserung der Beschwerden gemäss einem von den Studienverantwortlichen entwickelten und validierten «Dyspepsie-Fragebogen» definiert. Als sekundäre Endpunkte galten die Anzahl der Personen mit vollständiger Beschwerdefreiheit, die globale Symptomeinschätzung durch die Betroffenen (besser/gleich/schlechter) und die Messung der Lebensqualität mit dem «Medical Outcomes Study 36-Item Short Form Health Survey» (SR-36v2).

Ergebnisse

201 der Teilnehmenden wurden der Gruppe mit Eradikation und 203 der Kontroll-Gruppe zugewiesen. Den primären Endpunkt – eine mindestens 50%ige Verbesserung der Dyspepsie-Symptome – erreichten 49% der Eradizierten und 37% in der Kontroll-Gruppe (p=0,01; «number needed to treat» NNT=8). Vollständige Beschwerdefreiheit wurde von 18% bzw. 14% angegeben (Unterschied nicht signifikant). In der Gruppe mit Eradikation schätzten 78% ihre Beschwerden als insgesamt besser ein, in der Kontroll-Gruppe waren es 68% (p=0,02). Betrachtete man nur den Teilfragebogen des SR-36v2 zu körperlichen Symptomen, schnitt die Gruppe mit Eradikation ebenfalls besser ab. Allerdings wurden nach Einnahme der Antibiotika im Rahmen der HP-Eradikation häufiger Nebenwirkungen beobachtet als nach Placebo.

Schlussfolgerungen

Bei Personen mit funktioneller Dyspepsie und positivem HP-Test kann die HP- Eradikation zu einer Verminderung der Beschwerden beitragen.

Zusammengefasst von Franz Marty

Diese sehr sorgfältig nach anerkannten Standards durchgeführte, randomisiert-kontrollierte «Single Center»-Studie aus Brasilien reiht sich ein in die Liste jener Untersuchungen, welche der Helicobacter-Eradikation bei Patienten mit funktioneller Dyspepsie einen gewissen Nutzen zuschreiben. Die Kontroverse um die Eradikationstherapie bei dieser Indikation wird damit nicht beendet, denn der Vorteil ist bescheiden, die Nebenwirkungen und die Kosten sind nicht vernachlässigbar. Der HP-Infekt ist in den meisten Fällen nicht die Ursache der weit verbreiteten funktionellen Dyspepsie, sondern allenfalls ein Modulator. Mit abnehmender Infektionshäufigkeit in den industrialisierten Ländern dürfte sich diese Problematik eher entschärfen, die unbefriedigenden therapeutischen Bemühungen im Praxisalltag bleiben.

Hugo Schlauri

 

Standpunkte und Meinungen

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Helicobacter-Eradikation: bescheidener Nutzen bei funktioneller Dyspepsie (April 2012)
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