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Sakralblock bei chronischer Radikulopathie wirkungslos

r -- Iversen T, Solberg TK, Romner B et al. Effect of caudal epidural steroid or saline injection in chronic lumbar radiculopathy: multicentre, blinded, randomised controlled trial. BMJ 2011 (13. September); 343: d5278 [Link]
Kommentiert von: Ivo Büchler
infomed screen Jahrgang 16 (2012) , Nummer 1
Datum der Ausgabe: Februar 2012

Studienziele

Seit 1953 wird die kaudale epidurale Injektion von Steroiden (Sakralblock) bei chronischer lumbaler Radikulopathie immer häufiger angewendet. Dabei liegen keine Studien vor, die einen langfristigen Nutzen verglichen mit dem natürlichen Verlauf der Erkrankung zeigen. Da teilweise postuliert wird, dass die grossen Injektionsvolumina unabhängig von den Steroiden eine positive Wirkung zeigen könnten, wurde in dieser Studie sowohl die epidurale Injektion von Steroiden und als auch die Injektion von physiologischer Kochsalzlösung allein mit einer subkutanen Scheininjektion verglichen.

Methoden

133 Personen (im Alter von 20 bis 60 Jahren) mit einer lumbalen Radikulopathie von mehr als 12 Wochen Dauer wurden zwischen Oktober 2005 und Februar 2009 in fünf norwegischen Spitälern rekrutiert und nach dem Zufall in drei Gruppen eingeteilt: 37 Personen spritzte man im Abstand von zwei Wochen zweimal 40 mg Triamcinolon (Kenacort®), verdünnt mit 29 ml NaCl-Lösung in den Hiatus sacralis, 39 Personen zweimal 30 ml NaCl-Lösung am gleichen Ort und 40 Personen erhielten jeweils eine subkutane Injektion als Scheinbehandlung. Alle Behandelten wurden nach 2, 12 und 52 Wochen durch Ärztinnen und Ärzte beurteilt, denen die Gruppenzuteilung nicht bekannt war. Als primärer Endpunkt wurde anhand des «Oswestry disability index score» die Einschränkung von Aktivitäten des täglichen Lebens beurteilt. Als sekundäre Endpunkte wurden mit dem «European quality of life measure» die Lebensqualität und mit einer visuellen Analog-Skala Rücken- und Beinschmerzen quantifiziert.

Ergebnisse

Sowohl für den primären als auch für die sekundären Endpunkte ergab sich zu keinem der Messzeitpunkte ein Unterschied zwischen den drei Gruppen. Im Vergleich zu den Ausgangswerten verringerten sich die Beschwerden in allen drei Gruppen in vergleichbarem Masse, was neben einer möglichen Placebowirkung auch den natürlichen Verlauf der Erkrankung widerspiegeln kann. Dementsprechend beurteilte in allen drei Gruppen ungefähr die Hälfte der Untersuchten die Behandlung als erfolgreich.

Schlussfolgerungen

Die kaudale lumbale Injektion von Steroiden (Sakralblock) zur Therapie einer chronischen lumbalen Radikulopathie wird nicht empfohlen.

Zusammengefasst von Felix Tapernoux

Diese Studie untersucht eine Patientenpopulation mit einer bekannterweise schlechten Langzeitprognose bei einer Mindestdauer der lumboradikulären Symptomatik von zwölf Wochen vor dem Einschluss und einer durchschnittlichen Dauer von 26 Wochen bei der Scheininjektion und von 42 Wochen bei der Steroidinjektion. Trotzdem nehmen die Symptome sowohl in der Interventions- als auch in der Scheininterventionsgruppe über die gesamte Studiendauer signifikant ab. Anhand der Studie können keine Aussagen über die Wirkung von epiduralen Injektionen in der Frühphase des lumboradikulären Syndroms gemacht werden, wo sie aus Erfahrung und gemäss mehreren Studien oft zumindest kurzfristig eine Wirkung zeigen.

Ivo Büchler

 

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Sakralblock bei chronischer Radikulopathie wirkungslos (Februar 2012)
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