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Mefloquin wenig dokumentiert

m -- Croft A, Garner P. Mefloquine to prevent malaria: a systematic review of trials. BMJ 1997 (29. November); 315: 1412-6 [Link]
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infomed screen Jahrgang 2 (1998) , Nummer 1
Datum der Ausgabe: Januar 1998

Studienziele

Mefloquin (Lariam®u.a.) ist heute das Medikament, das Reisenden am häufigsten zur Malariaprophylaxe empfohlen wird. Da Mefloquin vergleichsweise häufig neuropsychiatrische Nebenwirkungen verursacht, wird es in verschiedenen Ländern kontrovers beurteilt. Ziel der vorliegenden Meta-Analyse war es, Wirksamkeit und Verträglichkeit des Arzneimittels aus zuverlässigen Untersuchungen abzuleiten.

Methoden

Die Autoren suchten in den verschiedensten Quellen (Datenbanken, mittels Nachfragen bei Pharmafirmen und Forschern u.a.) nach randomisiert-kontrollierten Studien mit Mefloquin. In erster Linie wurde das Register der Cochrane-Gruppe, die sich mit Infektionskrankheiten befasst, verwendet. Vergleiche mit anderen Antimalariamitteln oder mit Placebo wurden berücksichtigt. Ausgeschlossen wurden Studien, in denen Mefloquin mit Antimalariamitteln verglichen wurden, die heute nicht mehr routinemässig eingesetzt werden (z.B. die Sulfadoxin/Pyrimethamin-Kombination Fansidar®).

Ergebnisse

37 Studien zur Mefloquinprophylaxe der Malaria wurden gefunden; nur 10 davon erfüllten die erwähnten Einschlusskriterien. In diesen 10 Studien erhielten insgesamt 2'750 Erwachsene nach dem Zufall Mefloquin oder eine Vergleichssubstanz. Fünf Studien waren Feldstudien bei (fast ausschliesslich männlichen) Soldaten. In einer Studie, in der indonesische Soldaten mit Mefloquin, Doxycyclin (Vibramycin® u.a.) oder Placebo behandelt wurden, traten in der Gruppe der Mefloquinbehandelten (n=68) keine Malariafälle auf; in der Placebogruppe (n=69) wurden dagegen 53 Malariafälle gezählt. Im Vergleich mit Doxycyclin oder Chloroquin (Resochin® u.a.) wurde die Mefloquinprophylaxe etwas häufiger vorzeitig abgebrochen (statistisch nicht-signifikant). Die fünf anderen Studien erfolgten bei Freiwilligen (ohne Malariaexposition), vier davon waren Placebovergleiche. In diesen Studien brachen mit Mefloquin Behandelte ihre Medikation signifikant häufiger ab als Placebo-Behandelte. Als Nebenwirkungen konnten Schlafstörungen und Durchfall festgestellt werden.

Schlussfolgerungen

Nebenwirkungen sind möglicherweise dafür verantwortlich, dass Reisende eine Malariaprophylaxe mit Mefloquin vorzeitig abbrechen. Das Medikament eignet sich deshalb weniger für die Routineprophylaxe als für spezielle Situationen (Reisen in Gebiete mit Chloroquin-resistenten Erregern).

Die Prüfung der Wirkung von Medikamenten zur Prophylaxe von Malariaerkrankungen ist sehr aufwendig und schwierig. Es erstaunt deshalb nicht, dass nur gerade 10 kontrollierte Studien vorliegen, obwohl Mefloquin bisher über 8 Millionen Reisenden verschrieben wurde. Kontrollierte Studien zur Verträglichkeit von prophylaktisch verabreichtem Mefloquin bei Reisenden liegen überhaupt keine vor. Mefloquin wurde von den Probanden wesentlich häufiger abgesetzt als Placebo. Mefloquin kann zwar bei korrekter Einnahme eine Malariaerkrankung durchaus verhindern. Wird das Mittel jedoch wegen häufiger unerwünschter Wirkungen nicht eingenommen, so erfüllt es seinen Zweck nicht.

Benedikt Holzer

 

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