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Interferon bei chronisch-myeloischer Leukämie

m -- Chronic Myeloid Leucemia Trialists‘ Collaborative Group. Interferon alfa versus chemotherapy for chronic myeloid leukemia: a meta-analysis of seven randomised trials. J Natl Cancer Inst 1997 (5. November); 89: 1616-20 [Link]
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infomed screen Jahrgang 2 (1998) , Nummer 1
Datum der Ausgabe: Januar 1998

Studienziele

Neben der Standardtherapie der chronisch-myeloischen Leukämie mit Hydroxycarbamid (Litalir®) oder Busulfan (Myleran®) hat sich seit Mitte der 80er Jahre a -Interferon (Roferon-A®, u.a.) als Therapievariante etabliert. Es gibt Hinweise, wonach a -Interferon lebensverlängernd wirkt. Diese Meta-Analyse von Studien, die vor 1990 erschienen, versuchte, das Mass dieses Therapienutzens zu erfassen.

Methoden

Weltweit wurden medizinische Literatur und Datenbanken nach randomisierten Studien durchsucht, die eine a -Interferonbehandlung mit der Standardchemotherapie verglichen. In den verschiedenen Studien musste das Therapieschema von a -Interferon (Dosis/Dauer) nicht übereinstimmen. Untersucht wurde der Einfluss von a -Interferon auf die Überlebensdauer. Durch Vergleich der verschiedenen Therapien erhoffte man, ein optimales Schema zu finden. Verschiedene Untergruppen (Geschlecht, Alter und Krankheitsstadium) wurden auf das Ansprechen auf eine a -Interferonbehandlung überprüft.

Ergebnisse

Die Daten von insgesamt 1554 Patienten (fast alle mit positivem Nachweis des Philadelphia-Chromosoms) aus 7 Studien wurden evaluiert. Die 5-Jahresüberlebenszeit lag mit a -Interferon bei 57%, während jene mit Chemotherapie 42% (signifikant niedriger) betrug. Unter a -Interferon war die jährliche Gesamttodessrate um 26% niedriger als unter Hydroxycarbamid und um 36% als unter Busulfan. Die mediane Überlebenszeit stieg mit a -Interferon um 1 bis 2 Jahre. Es konnte weder ein Therapieschema noch eine Untergruppe eruiert werden, die signifikant bessere Resultate erzielt hätte.

Schlussfolgerungen

a -Interferon führt bei chronisch-myeloischer Leukämie zu einer deutlichen Verlängerung der Überlebenszeit. Ein optimales Therapieschema ist jedoch noch nicht bekannt.

Grundsätzlich handelt es sich um eine sehr wichtige und umfassende Übersichtsarbeit über den Stellenwert von a -Interferon bei der chronisch-myeloischen Leukämie. Zu ergänzen ist:

1. Der Unterschied zwischen hämatologischer und zytogenetischer «complete response»: die hämatologische «complete response» kann schon nach 6 Wochen a -Interferon-Therapie eintreten, sie ist aber nicht stabil. Die zytogenetische «complete response» kommt erst nach einem Jahr und mehr, tritt am häufigsten bei nicht-vorbehandelten Patienten auf und häufiger bei Hydroxycarbamid- als bei Busulfan-vorbehandelten Patienten.

2. Zytogenetische Remissionen sind bei den Patienten häufiger, deren Intervall zwischen Diagnosestellung und Therapiebeginn kürzer als ein Jahr ist.1

3. Die Suppression des Philadelphia-Chromosoms ist die Voraussetzung für eine stabile Remission.

Peter Forrer

1 Talpaz M, Kantarjian H, Kurzrock R et al. Interferon-alpha produces sustained cytogenetic responses in chronic myelogenous leukemia. Philadelphia chromosomepositive patients. Ann Intern Med 1991; 114: 532-8

 

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