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Brustkrebs: Chemotherapie lebensverlängernd

m -- Polychemotherapy for early breast cancer; an overview of the randomised trials. Early Breast Cancer Trialists' Collaborative Group. Lancet 1998 (19. September); 352: 930-42 [Link]
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infomed screen Jahrgang 2 (1998) , Nummer 10
Datum der Ausgabe: November 1998

Studienziele

Adjuvante Chemotherapie bei Frauen mit einem frühen Mammakarzinom erhöht die Zehnjahres-Überlebensrate. Diese aktualisierte Metaanalyse versucht die Frage zu beantworten, welche Frauen von der Chemotherapie besonders profitieren und ob einzelne Therapieschemen überlegen sind.

Methoden

Die Metaanalyse umfasst alle randomisierten Studien mit Beginn vor 1990. Folgende Vergleiche wurden berücksichtigt: adjuvante gegen keine Chemotherapie (17'723 Frauen in 47 Studien), lange gegen kürzere Therapiedauer (6104 Frauen in 11 Studien) und anthrazyklinhaltige Therapien gegen solche ohne Anthrazykline (5942 Frauen in 11 Studien). In allen Studien war eine zusätzliche Radiotherapie oder eine Hormonbehandlung häufig. Erfasst wurden zusätzlich Alter, Menopausenstatus, Lymphknotenbefund und Östrogenrezeptorstatus zur Zeit der Randomisierung. Während der Verlaufskontrolle (durchschnittlich etwa 10 Jahre) wurden Rezidive und Todesfälle sowie Zweitkarzinome registriert.

Ergebnisse

Die Chemotherapie senkte die Rezidiv- und verbesserte die Überlebensrate in allen Altersgruppen. Vor allem während den ersten 5 Jahren waren Rezidive weniger zahlreich; die Überlebensrate verbesserte sich während den ganzen 10 Beobachtungsjahren. Bei Frauen unter 50 betrug die Zehnjahres-Überlebensrate 78% (ohne Lymphknotenmetastasen) bzw. 53% (mit lokalen Lymphknotenmetastasen). Ohne Chemotherapie waren es nur 71% bzw. 42%. Bei Frauen zwischen 50 und 69 war der Nutzen bezüglich Überleben geringer (2% bis 3% Unterschied). Der Effekt der Chemotherapie war unabhängig von Rezeptorstatus, Menopausenstatus und von einer allfälligen Behandlung mit Tamoxifen (Nolvadex® u.a.). Die Chemotherapie reduzierte die Häufigkeit eines kontralateralen Mammakarzinomes um ein Fünftel. Todesfälle infolge anderer Ursachen waren nicht häufiger. Eine längere Chemotherapie war nicht wirksamer als eine solche von 3 bis 6 Monaten Dauer. Anthrazyklinhaltige Therapieschemen reduzierten die Rezidiv- und Mortalitätsraten jedoch besser als solche ohne Anthrazykline.

Schlussfolgerungen

Frauen unter 50 mit einem frühen Mammakarzinom haben dank Chemotherapie eine um 7% bis 11% verbesserte Zehnjahres-Überlebenschance. Auch Frauen mit lokalen Lymphknoten-Metastasen profitieren in ähnlichem Ausmass. Bei älteren Frauen ist mit einem geringeren Nutzen zu rechnen.

Die adjuvante Polychemotherapie verbessert das Zehnjahres-Überleben bei einer Subgruppe von Patientinnen mit «frühem» Brustkrebs. Die vorliegende Übersicht sucht eine Antwort auf zwei elementar wichtige Fragen im Zusammenhang mit der adjuvanten Chemotherapie:

1. Welche Patientinnen profitieren von der Adjuvanstherapie? 2. Welche Therapieform ist die beste in der adjuvanten Situation? Der Vergleich gegenüber «keiner» Chemotherapie basiert auf 47 randomisierten Studien mit insgesamt 17’700 Patientinnen und zeigt eine Reduktion der Rückfallrate durch die Polychemotherapie um 24% jährlich (hochsignifikant). Auch die Mortalität reduziert sich um etwas mehr als 15%. Diese Vorteile der Polychemotherapie sind durch den menopausalen Status, Tamoxifenmedikation und vor allem Alter der Patientin kaum beeinflusst. Der Trend, dass jüngere Frauen mehr von dieser Behandlung profitieren, ist wohl vorhanden, aber nicht signifikant.

Peter Forrer

 

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