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Atopisches Ekzem und Wasserhärte

a -- McNally NJ, Williams HC, Phillips DR et al. Atopic eczema and domestic water hardness. Lancet 1998 (15. August); 352: 527-31 [Link]
Kommentiert von: René Rüdlinger
infomed screen Jahrgang 2 (1998) , Nummer 9
Datum der Ausgabe: Oktober 1998

Studienziele

In der Ätiologie des atopischen Ekzemes spielen Umgebungsfaktoren und Lebensumstände eine wichtige Rolle. Es wird vermutet, die Beschaffenheit des Leitungswassers könnte ein relevanter Faktor sein. Epidemiologische Daten lagen dazu aber bisher nicht vor. In dieser Studie aus der Region Nottingham wurde deshalb untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen der Gesamt-Wasserhärte, dem Chlorgehalt des Wassers und dem Verlauf eines atopischen Ekzemes besteht.

Methoden

Von 4141 Kindern im Primarschulalter und von 3944 Jugendlichen im Sekundarschulalter wurden mittels Fragebogen Informationen zum bisherigen Hautzustand gesammelt. Gefragt wurde nach Juckreiz und Läsionen an den Flexionsstellen der Extremitäten. Die Daten wurden korreliert mit der geographischen Verteilung der Wasserhärte, eingeteilt in 4 Kategorien, und dem Grad der Chlorierung. Härtegrad 4 entsprach einem Kalzium- und Magnesiumgehalt von 231-314 mg/l.

Ergebnisse

Bei Kindern bis zu 11 Jahren ergab sich ein statistisch signifikanter Unterschied entsprechend der Wasserhärte: in den Regionen mit dem härtesten Wasser hatten 17% und in den Regionen mit dem geringsten Härtegrad 12% der Kinder relevante Hautsymptome im Jahr vor der Befragung. Je älter die Kinder wurden, umso geringer waren die Unterschiede zwischen Regionen mit unterschiedlicher Wasserhärte. In der Altersgruppe zwischen 11 und 16 war kein statistisch signifikanter Unterschied mehr feststellbar. Für die Hautsymptome im Jahr vor der Befragung war der Kalzium-, nicht aber der Magnesiumgehalt des Wassers von Bedeutung. Bei Primarschulkindern fand sich zwar ein Zusammenhang zwischen höherem Chlorgehalt des Wassers und dem Auftreten eines Ekzems, der Trend war jedoch nach Korrektur der möglichen beeinflussenden Faktoren statistisch nicht signifikant.

Schlussfolgerungen

Bei jüngeren Kindern bis zu 11 Jahren steigt mit höherem Kalziumgehalt des Wassers die Wahrscheinlichkeit, klinisch ein Ekzem zu entwickeln.

In dieser Studie wird verdienstvollerweise einer Frage nachgegangen, die wohl alle, die mit Personen mit atopischer Dermatitis zu tun haben, bereits gehört haben, über die aber wenig konkretes bekannt ist: der Einfluss der Wasserqualität auf die Ausprägung des atopischen Ekzems. Tatsächlich ergibt sich bei den Primarschülern ein signifikanter Einfluss der Härte des Haushaltwassers und der Prävalenz des atopischen Ekzems. Faktoren, die eine Rolle spielen könnten, sind die durch das Wasser veränderte Barrierefunktion der Epidermis oder der Mehrverbrauch an Seifen, Duschgelen etc. bei härterem Wasser. Damit wird einmal mehr auf die enorme Bedeutung der Waschgewohnheiten bei Atopikern hingewiesen, deren Wichtigkeit bereits im ersten Aufklärungsgespräch betont werden sollte.

René Rüdlinger

 

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Atopisches Ekzem und Wasserhärte (Oktober 1998)
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