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Gefährliche Blutdruckschwankungen und -spitzen

k -- Rothwell PM, Howard SC, Dolan E et al. Prognostic significance of visit-tovisit variability, maximum systolic blood pressure, and episodic hypertension. Lancet 2010 (13. März); 375: 895-905 [Link]
Zusammengefasst von: Markus Häusermann
infomed screen Jahrgang 14 (2010) , Nummer 3
Datum der Ausgabe: Mai 2010

Die geltenden Behandlungsempfehlungen für Hypertonie basieren auf dem mittleren Blutdruck, während gelegentliche Blutdruckspitzen als ungefährlich gelten. Das Ziel der vorliegenden Arbeit war es, herauszufinden, welchen Einfluss das Ausmass der Blutdruckschwankungen bzw. einzelne Blutdruck-Spitzenwerte auf das Hirnschlagrisiko haben. Dazu wurden mittels komplexer statistischer Verfahren die Daten von 4 Studienkohorten mit insgesamt gegen 10'000 Personen nach einer transitorischen ischämischen Attacke oder einem Hirnschlag, sowie diejenige einer randomisierten Behandlungsstudie bei 18'530 Hypertoniekranken mit Hinblick auf diese Fragestellung neu ausgewertet. Bei einem Teil der Personen aus letzterer Studie lagen auch 24- Stunden-Blutdruckmessungen vor.

Dabei stellte sich heraus, dass die Schwankungen der systolischen Blutdruckwerte von Konsultation zu Konsultation stärker mit dem Auftreten von Hirnschlägen korrelierten als der mittlere systolische Blutdruck. Auch das Auftreten von ausgeprägten einzelnen systolischen Blutdruckspitzen stellte einen unabhängigen Risikofaktor dar. Personen mit episodisch stark erhöhtem Blutdruck (Spitzen über 180 mm Hg, bei Mittelwert unter 140 mm Hg systolisch) hatten ein höheres Hirnschlagrisiko als diejenigen mit stabiler Hypertonie (Mittelwert über 140 mm Hg). Auch für behandelte Hypertoniekranke erwiesenen sich Blutdruckschwankungen und hohe Spitzenwerte als ungünstig. Ähnliche, aber etwas weniger deutliche Resultate ergab auch die Analyse der Blutdruckschwankungen innerhalb der 24-Stunden-Messungen, davon ausgenommen war eine alleinige Morgenspitze. Alle beobachteten Zusammenhänge waren am ausgeprägtesten bei jungen Personen und bei solchen mit einem niedrigen mittleren Blutdruck.

Skeptische Leserinnen und Leser mögen einwenden, dass diese Studie nur durch «Datendreschen» aus bestehenden Studien mit anderer Fragestellung entstanden ist. Sie zeigt trotzdem überzeugend, dass episodische Blutdruckspitzen nicht etwa harmlos, sondern vermutlich noch gefährlicher sind als eine stabile Hypertonie. In der Praxis neigen wir oft dazu, erhöhte Blutdruckwerte als «Weisskitteleffekt» zu ignorieren, wenn der Patient bei der Selbstkontrolle zu Hause akzeptable Werte zeigt. Aufgrund der vorliegenden Studie sollten wir dieses Verhalten ändern und wiederholt erhöhte Sprechstunden-Blutdruckwerte als Risikofaktoren ernst nehmen und behandeln.

Zusammengefasst von Markus Häusermann

 

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Gefährliche Blutdruckschwankungen und -spitzen (Mai 2010)
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