infomed-screen

Hochdosis-Chemotherapie bei Brustkrebs enttäuschend

r -- Rodenhuis S, Richel DJ, van der Wall E et al. Randomised trial of high-dose chemotherapy and haemopoietic progenitor-cell support in operable breast cancer with extensive axillary lymph-node involvement. Lancet 1998 (15. August); 352: 515-21 [Link]
Kommentiert von: 
infomed screen Jahrgang 2 (1998) , Nummer 9
Datum der Ausgabe: Oktober 1998

Studienziele
Ein Mammakarzinom mit multiplen axillären Metastasen hat eine ungünstige Prognose. In diesen Fällen wird heute oft eine Hochdosis-Chemotherapie durchgeführt. In der vorliegenden niederländischen Studie wurde diese Behandlungsart erstmals randomisiert geprüft.

Methoden
Initial konnten 97 Frauen im Alter von weniger als 60 Jahren in die Studie aufgenommen werden. Alle hatten ein operables Mammakarzinom und einen ausgedehnten axillären Lymphknotenbefall, jedoch keine periphere Metastasen. Sie erhielten vor der chirurgischen Intervention drei Chemotherapiestösse im Abstand von je einer Woche: Cyclophosphamid (Endoxan® u.a., 500 mg/m²), Epirubicin (Farmorubicin RD® 120 mg/m²) und 5-Fluorouracil (500 mg/m²). Nach der Operation erhielten nach dem Zufall 40 Frauen die konventionelle Therapie und 41 die Hochdosistherapie. Die konventionelle Therapie beinhaltete einen vierten Chemotherapiestoss (wie präoperativ) sowie eine Radiotherapie, gefolgt von Tamoxifen (Nolvadex® u.a.) für 2 Jahre. Bei der Hochdosistherapie wurde zusätzlich, drei Wochen nach dem vierten Stoss, Cyclophosphamid (6 g/m²), Thiotepa (480 mg/m²) und Carboplatin (Paraplatin®, 1600 mg/m²) verabreicht, verteilt auf 4 Tage. Danach erfolgte die Reinfusion von Granulozyten, die nach dem vierten Chemotherapiestoss durch Filgrastim (Neupogen®) stimuliert und entnommen worden waren. Nach einer mittleren Beobachtungszeit von 49 Monaten wurden die Gesamtüberlebenszeit und Rezidivfreiheit festgehalten.

Ergebnisse
Die Gesamtüberlebenszeit und die rezidivfreie Zeitspanne unterschieden sich in den beiden Behandlungsgruppen nicht. Die Gesamtüberlebenszeit lag bei 75%. Während der Dauer der Studie blieben 54% der Patientinnen rezidivfrei. In beiden Gruppen war die Prognose für Frauen mit grösserem Primärtumor ungünstiger. In der Hochdosis-Gruppe hatten 8 Frauen eine ausgeprägte Stomatitis, auch Müdigkeit und Durchfälle waren häufig.

Schlussfolgerungen
Frauen mit einem prognostisch ungünstigen Mammakarzinom profitieren nicht von einer Hochdosis-Chemotherapie.

Unkontrollierte Studien liessen vermuten, dass die hochdosierte Chemotherapie beim fortgeschrittenen Mammakarzinom der konventionellen Dosierung überlegen ist. Diese wichtige Frage wurde bei Patientinnen mit bioptisch gesichertem fortgeschrittenem Mammakarzinom untersucht. Die Zugabe der hochdosierten Chemotherapie verlängerte weder das Gesamtüberleben noch das Intervall bis zu erneuter Progredienz bzw. klinischem Rezidiv. Diese Ergebnisse können somit die bisherigen unkontrollierten Resultate mit einer hochdosierten Chemotherapie nicht bestätigen, stehen aber im Einklang mit den Erfahrungen des «MD Anderson Cancer Center».1 Die Spätfolgen einer hochdosierten Chemotherapie sind unbekannt, diese Behandlungsmodalität sollte also nur streng kontrollierten Studien vorbehalten bleiben.

Peter Forrer

1    Hortobagyi GN, Bazdar AU et al. Lack of efficacy of adjuvant HD tandem combination chemotherapy for high risk primary breast cancer. Proc ASCO 17 Abstr 417/98

 

Standpunkte und Meinungen

Es gibt zu diesem Artikel keine Leserkommentare.
infomed-screen 2 -- No. 9
Infomed Home | infomed-screen Index
Hochdosis-Chemotherapie bei Brustkrebs enttäuschend (Oktober 1998)
Copyright © 2020 Infomed-Verlags-AG

med111.com

infomed-screen abonnieren

100 wichtige Medikamente

mailingliste abonnieren

infomed-screen Links
infomed-screen abonnemente
aktueller infomed-screen jahrgang
aktueller pharma-kritik jahrgang
Was bedeuten die Symbole?
rRandomisiert-kontrollierte Studie
kKohortenstudie
fFall-Kontroll-Studie
mMeta-Analyse oder systematische Übersicht
aAndere Studienart