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Tamoxifenprävention in zwei Studien enttäuschend

r -- Veronesi U, Maisonneuve P, Costa A et al. Prevention of breast cancer with tamoxifen: preliminary findings from the Italian randomised trial among hysterectomised women. Lancet 1998 (11. Juli); 352: 93-7 [Link]
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infomed screen Jahrgang 2 (1998) , Nummer 8
Datum der Ausgabe: September 1998

Studienziele
Angesichts der Erfolge einer adjuvanten Behandlung mit Tamoxifen (Nolvadex® u.a.) bei Mammakarzinom ist dieses Medikament möglicherweise zur Primärprävention geeignet. Obwohl die Substanz als gut verträglich gilt, ist sie Ursache einer erhöhten Inzidenz von Endometriumkarzinomen. Die vorliegenden zwei Arbeiten rapportieren vorläufige Resultate von Tamoxifen-Präventionsstudien bei gesunden Frauen.

Methoden
In die erste, 1992 gestartete italienische Studie wurden 5'408 hysterektomierte Frauen im Alter von 35 bis 70 Jahren aufgenommen. Diese Frauen werden während 5 Jahren randomisiert mit Tamoxifen (20 mg/Tag; n=2'700) oder Placebo (n=2'708) behandelt. Anschliessend sollen die Frauen noch während 5 Jahren beobachtet werden. Während der ganzen Studienzeit werden die Frauen 2mal jährlich klinisch und 1mal jährlich mammographisch kontrolliert. In die zweite, britische Studie wurden zwischen 1986 und 1996 2'494 gesunde 30- bis 70jährige Frauen aufgenommen. Alle diese Frauen haben nahe Verwandte mit einem Mammakarzinom. Eine Hysterektomie war nicht Bedingung. Auch in dieser Studie wurde randomisiert mit täglich 20 mg Tamoxifen oder Placebo behandelt. Die durchschnittliche Behandlungsdauer betrug bisher 8 Jahre. Klinische Kontrollen finden halbjährlich, Mammographien jährlich statt.

Ergebnisse
In der italienischen Studie ist die Behandlungsphase erst bei 149 Frauen abgeschlossen, während 3837 noch in der Behandlungsphase sind. Bisher sind in beiden Gruppen etwa gleichviel Mammakarzinome aufgetreten, 22 unter Placebo, 19 unter Tamoxifen. Auch bezüglich der Stadien zeigten sich keine Unterschiede. Von den 752 Frauen, die während der Studie zudem Östrogene einnahmen, erkrankten 9 an Brustkrebs. Nur eine einzige gehörte zur Tamoxifen-Gruppe. Tamoxifenbehandelte Frauen hatten ein signifikant erhöhtes Risiko für thromboembolische Ereignisse (meistens oberflächliche Thrombophlebitiden) und für Hypertriglyzeridämie. Auch zerebrovaskuläre Ereignisse waren in der Tamoxifengruppe etwas häufiger als unter Placebo.
In der britischen Studie sind bisher 70 Mammakarzinome aufgetreten: 34 in der Tamoxifengruppe, 36 in der Placebogruppe. Bei Frauen, die schon vor Studienbeginn Östrogene einnahmen, war die Brustkrebsinzidenz fast doppelt so hoch wie bei Frauen ohne Hormonsubstitution. Ein Einfluss von Tamoxifen auf diese Inzidenz zeigte sich aber bisher in dieser Studie nicht. Auch Frauen, die nie geboren hatten, wiesen ein doppelt so hohes Brustkrebsrisiko wie Frauen mit Kindern auf. Die Nebenwirkungen von Tamoxifen entsprachen den Erwartungen (Hitzewallungen, gynäkologische Probleme).

Schlussfolgerungen
Die bisherigen Resultate dieser beiden Präventionsstudien zeigen keine vorteilhaften Wirkungen von Tamoxifen auf die Inzidenz eines Mammakarzinoms. Hingegen weist die italienische Studie auf mögliche Probleme einer Tamoxifenbehandlung hin.

Beide Studien können den protektiven Effekt von Tamoxifen nicht dokumentieren: Die Veronesi- Studie nicht bei Frauen mit normalem, die Royal- Marsden-Studie nicht bei Frauen mit erhöhtem Mammakarzinom-Risiko. Die Diskordanz zwischen der Fisher-Studie (NSABP-P 1)1 und der Marsden- Studie ist besonders brisant, da das Probandinnenkollektiv in der letzteren noch durch Genanalysen eingegrenzt wurde (BCRA 1). Damit zeigt sich wieder einmal, wie sehr die Statistik durch Unterschiede in der Auswahl der teilnehmenden Personen beeinflusst werden kann.

Peter Forrer

1    Smigel K. Breast cancer prevention trial shows major benefit, some risk. J Natl Cancer Inst 1998 (6. Mai) 90: 647-8

 

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