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Risikofaktoren für Infarkttod

k -- Njølstad I, Arnesen E. Preinfarction blood pressure and smoking are determinants for a fatal outcome of myocardial infarction. A prospective analysis from the Finnmark Study. Arch Intern Med 1998 (22. Juni); 158: 1326-32 [Link]
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infomed screen Jahrgang 2 (1998) , Nummer 8
Datum der Ausgabe: September 1998

Studienziele
Risikofaktoren für den letalen Ausgang eines Herzinfarktes wurden bisher vorwiegend indirekt aus dem Schicksal von hospitalisierten Kranken abgeleitet. Da die Ergebnisse von solchen Studien nicht ohne weiteres auf die Gesamtbevölkerung übertragen werden können, war es das Ziel dieser Studie, die Risikofaktoren möglichst bei der Gesamtheit einer definierten Population zu erheben.

Methoden
1974 wurden in Nordnorwegen 13'315 Personen im Alter zwischen 35 und 52 Jahren in die Studie aufgenommen, d.h. 90% aller Einwohner dieser Altersgruppe. Hiervon waren 53% Männer und 47% Frauen. Bei der Basisuntersuchung wurden die Rauchgewohnheiten erhoben, der Blutdruck gemessen sowie der Blutzucker, die Triglyzeride, das Gesamt- und das HDL-Cholesterin bestimmt. Mittels des nationalen Sterberegisters, der Austrittsdiagnosen der beiden lokalen Spitäler sowie eines Fragebogens wurde die Zahl der Herzinfarkte und der plötzlichen Herztodesfälle bis Ende 1989 ermittelt. 97% der initial erfassten Personen konnten nachverfolgt werden, Todesfälle wurden vollständig erfasst.

Ergebnisse
Während der Beobachtungszeit wurden insgesamt 760 Herzinfarkte bzw. plötzliche Herztodesfälle registriert. 232 Personen starben innert 4 Wochen nach dem ersten Herzinfarkt. Männer hatten ein 4,7mal höheres Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Die Infarktletalität war jedoch bei beiden Geschlechtern ungefähr gleich gross (etwa 30%). Ältere Leute und solche mit höherem Blutdruck starben häufiger. Dies war auch für Personen, die regelmässig rauchten, der Fall. Hingegen konnten Unterschiede in der körperlichen Aktivität, im Körpergewicht und in den Blutlipidwerten nicht als Prädiktoren einer erhöhten Mortalität identifiziert werden.

Schlussfolgerungen
Die Chance, einen Herzinfarkt zu überleben, nimmt mit zunehmendem Alter, zunehmenden Blutdruckwerten und infolge täglichen Rauchens ab.

Die vorliegende Analyse der Finnmark-Studie zeigt auf, dass sowohl das Alter, der Blutdruck und das Rauchen mit einem erhöhten Risiko einhergehen, an einem Myokardinfarkt zu sterben. Die übrigen klassischen Risikofaktoren beeinflussen zwar die Inzidenz von Myokardinfarkten, jedoch nicht deren Verlauf (zu der Rolle des Diabetes erlauben die Daten keine Aussage). Personen, die Antihypertensiva erhielten, hatten scheinbar eine erhöhte Herzinfarkt-Inzidenz. Es ist aber zu bedenken, dass dabei (behandelte) Blutdruckkranke mit unbehandelten Normotensiven verglichen wurden. Jedenfalls kann hieraus die antihypertensive Behandlung nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden. Konsistent konnte eine Risikoreduktion für zerebrale Ereignisse von 40% aufgezeigt werden. Mindestens bei älteren Patienten ist auch die Datenlage für kardiovaskuläre Ereignisse deutlich klarer.

Werner Eugster

 

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Risikofaktoren für Infarkttod (September 1998)
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