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Schmerzbehandlung bei älteren Krebskranken

a -- Bernabei R, Gambassi G, Lapane K et al. Management of pain in elderly patients with cancer. JAMA 1998 (17. Juni); 279: 1877-81 [Link]
Kommentiert von: Andreas E. Stuck
infomed screen Jahrgang 2 (1998) , Nummer 7
Datum der Ausgabe: August 1998

Studienziele
Diese Studie setzte sich zum Ziel, die Schmerzbehandlung bei älteren Leuten in Pflegeheimen zu evaluieren. Schmerzen gehören zu den häufigsten und unangenehmsten Problemen für krebskranke Personen. Obwohl mit den Schmerzmitteln des WHO-Dreistufenplans über 90% der Schmerzen behoben werden könnten, ist die Behandlung oft ungenügend. In dieser Studie werden unabhängige Schmerzindizien und die verschriebenen Analgetika untersucht.

Methoden
Im Rahmen dieser Studie wurden 13'625 über 65jährige Personen aus 1'492 amerikanischen Heimen beobachtet. Die Daten über die Beobachteten wurden aus der «Systemic Assessment of Geriatric Drug Use via Epidemiology Database » gesammelt. Die Schmerzbeurteilung erfolgte anhand verschiedener Zeichen und Symptome durch ein multidisziplinäres Team. Von den Kranken selbst rapportierte Beschwerden wurden sorgfältig mitberücksichtigt.

Ergebnisse
4'003 Kranke berichteten über tägliche Schmerzen, nämlich 24% der über 85jährigen Personen, 29% der 75- bis 84jährigen und 38% der 65- bis 74jährigen. Mit zunehmendem Alter waren also die Schmerzen seltener. 16% der Kranken mit täglichen Schmerzen erhielten leichte Analgetika (Salizylate usw.), 32% stärkere Mittel (z.B. Codein) und 26% noch stärkere Schmerzmittel (z.B. Morphin). Über ein Viertel der Kranken mit täglichen Schmerzen erhielt keine Analgetika, wobei Jüngere eher in den Genuss einer Behandlung kamen. Ausserdem zeigte sich, dass Personen, die einer ethnischen Minderheit angehören, mit geringerer Wahrscheinlichkeit eine Schmerzbehandlung erhielten.

Schlussfolgerungen
Viele Krebskranke, die sich in amerikanischen Heimen befinden, leiden an Schmerzen, werden aber oft nicht adäquat behandelt. Die Resultate dieser Studie können jedoch nicht auf alle älteren Krebskranken übertragen werden, da die Studie ausschliesslich in Pflegeheimen durchgeführt wurde. Nach den Autoren dieser Studie ist es heute nicht mehr tragbar, Krebskranke mit täglichen Schmerzen nicht zu behandeln und die beobachtete Diskrepanz weist auf ein ungenügendes medizinisches Versorgungssystem hin.

Diese Studie zeigt, dass bei vielen älteren Patienten in Pflegeheimen Schmerzen ungenügend behandelt werden. Dies, obschon mit Schmerzprotokollen und stufenweisem Einsatz von fix verordnetem Paracetamol, Codein und Morphin meistens eine adäquate Schmerzlinderung möglich wäre. Die Studie zeigt nur die Spitze eines Eisbergs. ln vielen Pflegeheimen könnte die Verschreibungspraxis auch für andere Medikamente (z.B. Neuroleptika, Antidepressiva, Impfungen) verbessert werden. Heimärzte können hier durch gute klinische Untersuchung bei allen, auch dementen Patienten und Schulung des Pflegepersonals einen wichtigen Beitrag leisten.

Andreas Stuck

 

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Schmerzbehandlung bei älteren Krebskranken (August 1998)
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