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Langzeitprognose nach Lyse beim Myokardinfarkt

r -- Baigent C, Collins R, Appleby P et al. ISIS-2: 10 year survival among patients with suspected acute myocardial infarction in randomised comparison of intravenous streptokinase, oral aspirin, both, or neither. BMJ 1998 (2. Mai); 316: 1337-43. [Link]
Kommentiert von: Hugo Saner
infomed screen Jahrgang 2 (1998) , Nummer 6
Datum der Ausgabe: Juli 1998

Studienziele
Die ISIS-2-Studie belegte den Nutzen einer fibrinolytischen Behandlung mit 1,5 Millionen E Streptokinase (z.B. Kabikinase ®) beim akuten Myokardinfarkt. Zusätzlich zeigte sie auch auf, dass Acetylsalicylsäure (162 mg/Tag über 1 Monat) eine ebenso grosse und von Streptokinase unabhängige Mortalitätssenkung erbringt. ISIS-2 belegte diese Behandlungsvorteile bis zu 36 Tagen, Ziel der vorliegenden Studie war die Abklärung, ob sich dieser kurzfristige Behandlungseffekt auch auf die langfristige Prognose auswirken würde.

Methoden
Zwischen 1985 und 1987 wurden 17‘187 Frauen und Männer in 417 Spitälern in 16 Ländern in die ursprüngliche Studie aufgenommen. Die Mortalität konnte von 95% aller Behandelten bis zum 1. Januar 1990 und von 6‘213 Personen aus Grossbritannien bis Mitte 1997 erfasst werden. Mit den Daten der ersten 4 Jahre wurden Subgruppenanalysen durchgeführt, mit den Langzeitdaten über 10 Jahre nur die Gesamtsterblichkeit berechnet.

Ergebnisse
Mit Streptokinase wurde gegenüber Placebo innerhalb von 35 Tagen eine Mortalitätssenkung von 25% erreicht; in dieser Gruppe starben auf 1'000 Personen 29 weniger als in der Placebogruppe. Im späteren Verlauf bis zu 10 Jahren konnten keine Mortalitätsdifferenzen mehr dokumentiert werden. Auch die Subgruppen mit sehr früher Fibrinolyse (0-3 h) oder anterioren ST-Hebungen bei Studienaufnahme zeigten nach 35 Tagen keine zusätzlichen Vorteile, ebenso nahm in der Subgruppe mit den über 70jährigen der langfristige Nutzen nicht ab. Acetylsalicylsäure senkte die Frühmortalität ähnlich stark wie Streptokinase, nämlich um 22%. Sowohl für Acetylsalicylsäure als auch für die Kombination der beiden Medikamente konnte langfristig weder ein zusätzlicher Nutzen noch eine Abnahme des inititalen Behandlungseffektes nachgewiesen werden.

Schlussfolgerungen
Der frühe Behandlungsvorteil von Streptokinase und Acetylsalicylsäure beim akuten Myokardinfarkt bleibt auch langfristig erhalten.

Die intravenöse Thrombolyse hat sich in der Frühphase des akuten Myokardinfarktes als Standardbehandlung etabliert. Dabei hat sich gezeigt, dass der Effekt der Thrombolyse umso grösser ist, je früher die Behandlung eingeleitet wird. Der Vorteil dieser Behandlung hat sich auch über alle Alterskategorien der Patienten bestätigt, wobei die über 70jährigen Patienten sogar noch mehr zu profitieren scheinen als die jüngeren Patienten, allerdings bei einer etwas höheren Komplikationsrate. Die Resultate der hier präsentierten ISIS-2- Studie zeigen erfreulicherweise, dass die positiven Effekte dieser Behandlung mit Senkung der Mortalität auch über eine Periode von 10 Jahren anhalten. Diese Tatsache bestärkt uns in unseren Bemühungen, durch Information der Bevölkerung und der Ärzteschaft die Zeitdauer der Vorspitalphase des akuten Myokardinfarktes möglichst kurz zu halten und damit möglichst viele Patienten von den Vorteilen einer intravenösen Thrombolyse profitieren zu lassen.

Hugo Saner

 

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