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Clozapin und Risperidon bei Schizophrenie ähnlich wirksam

r -- Bondolfi G, Dufour H, Patris M et al. Risperidone versus clozapine in treatmentresistent chronic schizophrenia: a randomized double-blind study. Am J Psychiatry 1998 (15. April); 155: 499-504. [Link]
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infomed screen Jahrgang 2 (1998) , Nummer 6
Datum der Ausgabe: Juli 1998

Studienziele
Clozapin (Leponex®) und Risperidon (Risperdal®) sind zwei atypische Neuroleptika, die bei Schizophrenie eingesetzt werden. In dieser Studie, durchgeführt an verschiedenen Zentren in der Westschweiz, in Besançon und in Strasbourg, wurden die beiden Substanzen bei «therapieresistenter» chronischer Schizophrenie miteinander verglichen.

Methoden
86 Männer und Frauen mit einer chronischen Schizophrenie wurden in die 8wöchige Doppelblindstudie aufgenommen. Sie hatten bislang auf mindestens zwei verschiedene Klassen von Neuroleptika ungenügend oder mit Nebenwirkungen reagiert. Sie mussten einen Punktewert zwischen 60 und 120 in der «Positive and Negative Syndrome Scale» aufweisen. Endpunkt war eine mindestens 20%ige Verbesserung der Ausgangspunktewerte. Vor Studienbeginn eingesetzte Medikamente wurden abgesetzt und während 7 Tagen ausgewaschen. 43 Personen erhielten 300 mg Clozapin täglich, 43 andere 6 mg Risperidon täglich. Dosisanpassungen nach Beurteilung der Wirkung wurden in jeder Gruppe nach 14, 28 und 42 Tagen vorgenommen. Wöchentlich wurden Wirkungen und Nebenwirkungen protokolliert sowie die Plasmaspiegel der Medikamente bestimmt.

Ergebnisse
In beiden Gruppen wurde bei Studienende gemäss «Positive and Negative Syndrome Scale» eine gleichwertige, signifikante Besserung der psychotischen Symptome verzeichnet: bei 67% der Risperidon-Gruppe und bei 65% der Clozapin-Gruppe nahm der Punktewert um mindestens 20% ab. In der Risperidon-Gruppe trat die Besserung oft rascher ein. 14 Personen der Risperidon-Gruppe und 15 Personen der Clozapin- Gruppe erreichten in 56 Tagen den Endpunkt nicht. Bezüglich Plasmaspiegel der beiden Substanzen unterschieden sich diese Personen jedoch nicht von denjenigen, bei denen eine Besserung eintrat. Nebenwirkungen wie Asthenie, Schläfrigkeit und Gewichtszunahme waren häufig, besonders unter Clozapin.

Schlussfolgerungen
Risperidon zeigte sich als ebenso wirksam wie Clozapin in der Behandlung einer chronischen therapieresistenten Schizophrenie. Es scheint, dass die antipsychotische Wirkung bei Risperidon in kürzerer Zeit eintritt.

Neue Neuroleptika werden sich vor allem in den Bereichen unerwünschte Wirkungen, Minussymptomatik, und Therapieresistenz zu bewähren haben. In dieser Hinsicht kann die vorliegende Studie sicherlich eine prinzipielle Relevanz beanspruchen.
Als kritische Einwände wären zu erwägen: 1. Die nicht überaus grosse Zahl von Patienten, die zudem noch aus verschiedenen Zentren stammen. 2. Die fehlende, möglicherweise aber bedeutsame Differenzierung therapieresistent versus therapie-intolerant. 3. Die erneut behauptete (lange) Clozapinwirkungslatenz, die in anderen Untersuchungen sehr in Frage gestellt wird. 4. Die Studie wurde vom Risperidon-Hersteller unterstützt. Fazit: Ein erster (?), sicher aber lange noch nicht abschliessender Beitrag zur Fragestellung.

Peter Zingg-Müller

 

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