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Atovaquon/Proguanil gegen Malaria

r -- Lell B, Luckner D, Ndjavé M et al. Randomised placebo-controlled study of atovaquone plus proguanil for malaria prophylaxis in children. Lancet 1998 (7. März); 351: 709-13 [Link]
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infomed screen Jahrgang 2 (1998) , Nummer 5
Datum der Ausgabe: Mai 1998

Studienziele
Resistenzen von Plasmodium falciparum gegen Malariamittel nehmen weltweit ständig zu. So hat z.B. die Wirksamkeit von Chloroquin (Resochin® u.a.) drastisch abgenommen. Atovaquon und Proguanil sind zwei Malariamittel, die kombiniert eingesetzt werden (Malarone®). Da diese beiden Medikamente unterschiedliche Wirkungsmechanismen haben, resultiert eine synergistische Wirkung. So soll erreicht werden, die sich sonst rasch bildenden Resistenzen zu verringern. In der vorliegenden Doppelblindstudie wurde die Wirksamkeit und Verträglichkeit dieser Kombination zur Prophylaxe einer Malariainfestation bei einheimischen Kindern in einem hyperendemischen Gebiet in Gabun untersucht.

Methoden
Bevor mit der medikamentösen Prophylaxe begonnen wurde, erhielten alle Kinder (im Alter von 4 bis 16 Jahren) während 3 Tagen eine kurative, nach dem Gewicht dosierte Behandlung mit Atovaquon/Proguanil (250-1000 mg Atovaquon + 100-400 mg Proguanil), um eine mögliche Parasitämie zu eradizieren. Während der 12 Wochen dauernden Prophylaxephase erhielten 140 Kinder täglich ein Placebo und 125 Kinder eine ihrem Gewicht entsprechende Atovaquon/Proguanil-Dosis zwischen 62,5/25 mg und 250/100 mg pro Tag. Im Anschluss daran wurden während 4 Wochen keine Medikamente mehr verabreicht. Malariaparasiten wurden im dicken Tropfen am Anfang und Schluss der Prophylaxephase, in wöchentlichen Abständen während der vierwöchigen Beobachtungsphase und bei klinischer Notwendigkeit gesucht.

Ergebnisse
Eine Woche nach der initialen kurativen Behandlung konnten bei keinem Kind Malariaparasiten im dicken Tropfen nachgewiesen werden. Während der Prophylaxephase waren bei 25 Placebo-behandelten Kindern Malariaparasiten (über 5 Plasmodien/μl) nachweisbar, jedoch bei keinem der mit Atovaquon/Proguanil behandelten. Während der anschliessenden medikamentenfreien Phase wurde bei 12 Placebo-behandelten Kindern und bei 3 mit Atovaquon/Proguanil behandelten Kindern eine Parasitämie festgestellt. Von den insgesamt 40 Kindern mit positiven Blutausstrichen hatten 31 keine Symptome und eine relativ geringe Parasitämie. Atovaquon/Proguanil verursachte nicht signifikant mehr unerwünschte Wirkungen als Placebo.

Schlussfolgerungen
Eine Prophylaxe der Malaria mit Atovaquon/Proguanil ist bei semi-immunen Kindern in Gabun wirksam und gut verträglich. Diese Medikamentenkombination könnte die gängige Prophylaxe ersetzen.

Bisher ist von den Zulassungsbehörden die eher bescheiden dokumentierte Kombination Atovaquon/Proguanil nur zur Therapie der unkomplizierten Malaria und nicht zur Prophylaxe registriert worden. Als Prophylaxe der Malaria wurde das Mittel bisher in 3 kontrollierten Studien ausschliesslich in Afrika geprüft. Im Vordergrund steht die Gefahr der Resistenzbildung. Wird Atovaquon allein verabreicht, so bilden sich in kürzester Zeit Resistenzen. Wird das Mittel nicht regelmässig zur Prophylaxe eingenommen, so sind die Malariaparasiten wegen der unterschiedlichen Halbwertszeiten (Atovaquon 2 bis 3 Tage, Proguanil 12 h) nicht mehr der Kombination, sondern nur noch Atovaquon allein ausgesetzt. Wegen schlechter Bioverfügbarkeit muss Atovaquon mit einer fetthaltigen Mahlzeit zusammen eingenommen werden. Die Herstellerfirma Glaxo stellt grosszügigerweise jährlich 1 Million Dosen Malarone® für therapeutische Zwecke gratis den Entwicklungsländern zur Verfügung. Die Experten sind sich nicht einig, ob es sich hier vor allem für Afrika nicht doch um ein Danaer-Geschenk handelt.1

Benedikt Holzer

1   Bloland PB, Kazembe PN, Watkins WM et al. Malarone-donation programme in Africa. Lancet 1997 (25. Nov); 350: 1624-5

 

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Atovaquon/Proguanil gegen Malaria (Mai 1998)
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