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Autologe Knochenmarktransplantation und akute myeloische Leukämie

r -- Burnett AK, Goldstone AH, Stevens RMF et al. Randomised comparison of addition of autologous bone-marrow transplantation to intensive chemotherapy for acute myeloid leukaemia in first remission: results of MCR AML 10 trial. Lancet 1998 (7. März); 3 [Link]
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infomed screen Jahrgang 2 (1998) , Nummer 5
Datum der Ausgabe: Mai 1998

Studienziele
Zur Therapie der akuten myeloischen Leukämie stehen neben der allogenen Knochenmarktransplantation die autologe Knochenmarktransplantation und die Chemotherapie zur Verfügung. In dieser britischen Studie wurde die Kombination von Chemotherapie mit autologer Knochenmarktransplantation mit Chemotherapie allein verglichen.

Methoden
In die Studie wurden 381 Kranke bis zum Alter von 56 Jahren aufgenommen, die sich nach drei Chemotherapiestössen in Vollremission befanden und für die kein geeigneter Knochenmarkspender zur Verfügung stand. Nach Knochenmarkentnahme und einer weiteren Chemotherapie wurden nach dem Zufall 190 Personen für die autologe Knochenmarktransplantation ausgesucht. 191 erhielten keine weitere Therapie. Alle wurden während 7 Jahren beobachtet.

Ergebnisse
Rezidive waren in der Gruppe mit Knochenmarktransplantation seltener (34% gegenüber 58%) und die 7 Jahre wurden entsprechend häufiger ohne Rezidiv überlebt (53% gegenüber 40%). In der Remissionsphase traten aber in der Gruppe der Knochenmarktransplantierten mehr Todesfälle auf (12% gegenüber 4%). Die Gesamtüberlebensrate nach sieben Jahren war für diese Gruppe trotzdem günstiger (57% gegenüber 45%, ein nicht-signifikanter Unterschied). Das günstige Resultat traf für alle Alters- und Risikogruppen in einem ähnlichen Ausmass zu. Wenn aber ein Rezidiv auftrat, dann wurde in der Gruppe ohne Knochenmarktransplantation signifikant häufiger eine erneute Remission erreicht (34% gegenüber 59%). Dies war insbesondere bei prognostisch guten Formen und bei Kindern der Fall.

Schlussfolgerungen
Eine Knochenmarktransplantation nach vier Chemotherapiestössen reduziert das Rezidivrisiko der akuten myeloischen Leukämie in Vollremission bei Personen unter 56 Jahren. Da die Knochenmarktransplantation eine hohe Komplikationsrate aufweist, wird bei Kindern und bei prognostisch guten Formen möglicherweise besser eine zweite Remission abgewartet.

Die Reduktion des Rückfallrisikos durch allogene Knochenmarktransplantation bei akuter myeloischer Leukämie in Vollremission ist schon längere Zeit bekannt. Diese britische Arbeitsgruppe untersucht den Stellenwert einer Hochdosis-Chemotherapie in Kombination mit Knochenmarktransplantation. Das sorgfältig ausgewählte Patientenkollektiv wurde in 2 Gruppen randomisiert: Autologe Knochenmarktransplantation + hochdosiertes Cyclophosphamid (Endoxan®) + Ganzkörper-Radiotherapie versus keine weitere Therapie. Die wichtigste Aussage dieser Studie ist die Verminderung des Rückfallrisikos durch einen hochdosierten Chemotherapiestoss in Kombination mit Radiotherapie auch bei intensiv Vorbehandelten. Die Differenz zwischen den beiden Gruppen bezüglich krankheitsfreiem und totalem Überleben ist signifikant. Offen bleibt aber die Frage, ob diese toxische Prozedur als Salvage-Behandlung für den ersten Rückfall reserviert werden könnte.

Peter Forrer

 

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Autologe Knochenmarktransplantation und akute myeloische Leukämie (Mai 1998)
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