infomed-screen

Normwerte bei Blutdruck-Selbstmessung

m -- Thijs L, Staessen JA, Celis H et al. Reference values for self-recorded blood pressure. Arch Intern Med 1998 (9. März); 158: 481-6. [Link]
Kommentiert von: Michel Burnier
infomed screen Jahrgang 2 (1998) , Nummer 5
Datum der Ausgabe: Mai 1998

Studienziele
Die Zielsetzung dieser Metaanalyse bestand darin, Normwerte für selbst gemessene Blutdruckwerte festzulegen. Diese Analyse ist von Bedeutung, weil es bisher keine generell akzeptierten Referenzwerte für selbstgemessene Blutdruckwerte gibt. Die in der Sprechstunde gemessenen Blutdruckwerte liegen oft höher als bei Selbstmessung. Zudem können Selbstmessungen öfter durchgeführt werden.

Methoden
Eine Medline-Suche ergab 17 Studien mit total 5’422 Personen, die eine Blutdruck-Selbstmessung vornahmen. In acht dieser Studien hatte es neben Personen mit normalem Blutdruck auch solche mit erhöhten Werten, während in neun Studien nur Personen mit normalem Blutdruck erfasst waren. Als Schwelle für einen erhöhten Blutdruck wurde der Wert definiert, der um 2 Standardabweichungen über dem Durchschnitt lag oder der der 95. Perzentile bei Normotonen entsprach. In den verschiedenen Studien wurde der Blutdruck mit sehr unterschiedlichen oszillometrischen oder auskultatorischen Verfahren gemessen. Meistens erfolgte die Blutdruckmessung am Morgen und am Abend. Nur 3 der 17 Studien dauerten länger als zwei Wochen.

Ergebnisse
Die durchschnittlichen selbstermittelten Blutdruckwerte bei den Studien mit ausschliesslich normotonen Personen betrugen 115/71 mm Hg. In den anderen Studien betrug der Mittelwert 119/74 mm Hg. In den Studien, in welchen Statistiken nach Geschlecht und Alter geführt wurden, zeigte sich, dass Männer und ältere Leute höhere selbstermittelte Werte rapportierten. Die nach den beiden Methoden bestimmten oberen Normwerte lagen sehr nahe beieinander und betrugen 135-137 mm Hg systolisch und 86-89 mm Hg diastolisch. Mit zwei weiteren Methoden wurde berechnet, welcher Wert einem «Sprechstundenwert» von 140/90 mm Hg entspricht: es fanden sich Werte von 125/79 bzw. 129/84 mm Hg.

Schlussfolgerungen
Bis prospektive Studien der Blutdruck-Selbstmessung vorhanden sind, sollten selbstermittelte Werte ab 135/85 mm Hg als erhöht angesehen werden.

Die Blutdruck-Selbstmessung spielt heute eine immer grössere Rolle. Die so gemessenen, niedrigeren Werte sind vom Sprechstundeneffekt unbeeinflusst und deshalb zuverlässiger. Normwerte sind jedoch noch nicht definitiv bestimmt. Die hier vorgelegte Analyse zeigt unterschiedliche Normwerte je nach der verwendeten statistischen Methode. Die obere Normgrenze liegt zwischen 135/86 und 137/89 mm Hg und befindet sich somit im Bereich der Normwerte für die ambulante 24-Stunden-Blutdruckmessung. Die Aussagekraft dieser Studie ist eingeschränkt, weil es sich um eine retrospektive Analyse mit unterschiedlich zusammengesetzten Kollektiven und verschiedenen nicht-standardisierten Messmethoden handelt. Verlässliche Referenzwerte für die Blutdruck-Selbstmessung werden erst vorliegen, wenn die Ergebnisse prospektiver Studien wie der THOP-Studie (Treatment of Hypertension According to Home or Office Blood Pressure) veröffentlicht sind.

Michel Burnier

 

Standpunkte und Meinungen

Es gibt zu diesem Artikel keine Leserkommentare.
infomed-screen 2 -- No. 5
Infomed Home | infomed-screen Index
Normwerte bei Blutdruck-Selbstmessung (Mai 1998)
Copyright © 2020 Infomed-Verlags-AG

med111.com

infomed-screen abonnieren

100 wichtige Medikamente

mailingliste abonnieren

infomed-screen Links
infomed-screen abonnemente
aktueller infomed-screen jahrgang
aktueller pharma-kritik jahrgang
Was bedeuten die Symbole?
rRandomisiert-kontrollierte Studie
kKohortenstudie
fFall-Kontroll-Studie
mMeta-Analyse oder systematische Übersicht
aAndere Studienart